Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien, bis an die Grenzen der Erde." So beschreibt es die Apostelgeschichte (Apg. 1,8). Mit diesen Worten verabschiedet sich der Auferstandene von seinen Jüngern und geht von der Immanenz (Diesseits) hinüber in die Transzendenz (Jenseits). So sind es vom Tage der Himmelfahrt bis zum Pfingstfest 10 Tage, vom Fest der Auferstehung bis Pfingsten insgesamt 50 Tage. Die Ausgießung des Geistes geschieht gewaltig, so wie es Apg. 2 beschreibt: Die Jünger, die sich mutlos versteckten, werden von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt. Sie bezeugen den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus.
Und das Wunder geschieht: Die Pfingstgeschichte ist das genaue Gegenstück zum Turmbau zu Babel (Genesis 11,1-9). Haben sich damals die Menschen auch sprachlich nicht mehr verstanden, so führt der Heilige Geist sie jetzt zusammen. Die christliche Botschaft wird international verkündigt. So wie es der Prophet Joel (3,1-5) schon voraussagte: "So spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen und eure Alten Träume haben. Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde ... Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet." (Apg. 2) Die Pfingstpredigt des Petrus und das Wirken des göttlichen Geistes müssen überwältigend gewesen sein. Viele ließen sich als Zeichen ihrer Bekehrung (Umkehr vom falschen Weg) taufen und folgten der neuen Gemeinschaft. Die christliche Kirche war geboren. Und diesen fast 2000-jährigen Geburtstag dürfen wir in Dankbarkeit zu Pfingsten wieder feiern. Alle Menschen wurden von Gottesfurcht ergriffen, "denn durch die Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder." (Apg. 2,43)
Seit dieser Zeit breitet sich die Kirche über die ganze Welt aus. Sie zählt heute circa zwei Milliarden Anhänger. Nach dem Epheserbrief Kap. 4 wandelt sich der alte Mensch in einen neuen. Die Gläubigen werden aus Haltlosigkeit, Unwissenheit, Entfremdung und Hartherzigkeit gerissen. Sie werden zur Wahrheit, zu einem sinnvollen Leben und zum liebevollen Umgang miteinander geführt. So ist das Pfingstfest auch ein zutiefst ökumenisches Fest, das Christen aller Völker und Nationen zusammenführt.
Der Heilige Geist ist ein guter Geist. Er verbindet Menschen in liebevoller Eintracht. Er leitet uns an und tröstet uns in schweren Zeiten. Er hilft uns, die göttlichen Gebote zu achten. Dazu hat uns Gott das Gewissen, die Vernunft und die große Weisheit der Heiligen Schrift geschenkt. Gottes Heiliger Geist will uns und unserem Alltag ein Segen sein.

Michael Dietrich ist Pfarrer i. R. in Grub am Forst.