Wort zum Sonntag von Pfarrer Hans Thurn: V or Verzweiflung verließ Veronika Vorarlberg. Volle Vereinskassen verleiten Verbrecher. Vier Viertel Veltliner. Vermutlich vermissen Venezianer Venedig. Vanilleeis vereist Verletzungen. Viele Villen verfallen. Und so weiter. Und so weiter.

Das ist ein Spiel mit den Buchstaben, immer nur einer als erster des Wortes erlaubt: es wirkt auf den ersten Blick wie das Ergebnis von zu viel Freizeit während Corona, ist aber das geniale Werk des Kärntner Schriftstellers Gernot Ragger, der dies seitenweise zu jedem Buchstaben des Alphabetes durchexerzierte (die Schreckensbuchstaben bei Stadt - Land - Fluss x und y einmal außen vor).

Wäre tatsächlich ein schönes Spielchen gerade während größerer Langeweile, oder? Nur, spielen wir das nicht längst? International, national, persönlich, beruflich, kirchlich. Es muss passen, es muss sich einpassen, einfügen. Da ist kein Platz für einen anderen Buchstaben, ein anderes Wort, einen Begriff, der nicht mit dem gewünschten Buchstaben seinen Wortanfang nimmt.

Genau daran muss ich denken, wenn ich Jahr für Jahr vor dem Pfingstwunder und dem Bericht davon stehe: Ein Tosen in der Luft, hunderte strömen auf die Straße, und: Nicht zu erklären, aber es ist so: "Wir hören sie in unseren Sprachen reden: Wir verstehen sie, obwohl sie von ganz woanders her kommen, mit einer ganz anderen Geschichte, Wertmaßstäben, Überzeugungen."

Pfingsten, als Abschluss, als Krönung des Osterfestes: das ist die Stunde, da die Apostel den Mut, die Kraft zum Zeugnis verliehen bekommen haben, aber noch mehr ist es: Auf einmal wird zugehört, wird wahr- und ernstgenommen, was der sagt, den man nicht versteht. Ja, da können wir tatsächlich als Wunder wahrnehmen, ein Wunder, das man unserer, jeder Zeit wünscht, die eben sich in die Gefangenschaft, dass nur das ihrige allein richtig ist, selbst verschanzt hat.

Und verstehen auch den Inhalt: "In unseren Sprachen hören wir sie Gott loben." Am Ende unseres Weges seit Ostern steht dieses Bekenntnis, was Gott eigentlich erreichen will. Und das in jeder Zeit neu.

In diesem Sinn ein schönes, geisterfülltes, einander verstehendes Pfingstfest, Ihr Pfarrer Hans Thurn