Viel Lärm um nichts? Das mochte man sich angesichts der vier imposanten Gestalten im Gerichtssaal sowie des Prozessendes beinahe fragen. 300 Euro Geldauflage bei Verfahrenseinstellung sollten das Schmerzhafteste sein, was einen Angeklagten im Zuge des Prozesses um gefährliche Körperverletzung ereilte.
Die Anklage sprach von gefährlicher Körperverletzung und dem Einsatz eines Pfeffersprays. Vier gegen einen soll es am 8. März 2015 nach 1 Uhr morgens in einer Diskothek des östlichen Landkreises zugegangen sein: vier stämmige Security-Mitarbeiter gegen einen stämmigen Gast.


Auf Verdacht hingefahren

Doch als Gast sei der Mann wohl beim zweiten Hinschauen nicht mehr eingeschätzt worden. "Ich hatte Hausverbot dort", erklärte der 26-jährige Anlagenführer aus Neustadt bei Coburg. Er fügte aber auch an, dass dieses Hausverbot gegen ihn vor der Umfirmierung der Diskothek ausgesprochen worden sei, er also auf Verdacht und nach allerlei Überredungskünsten seiner Clique dorthin fuhr.
In den "Schwitzkasten" genommen sei er worden. Doch nicht nur das: Pfefferspray in die Augen sei ihm gesprüht worden. Und das, obwohl er eigenen Angaben nach den Türstehern, die sich mit ihm im selben Raum befanden "Ich fass' euch nicht an, ihr fasst mich nicht an" zugerufen habe. "Dann habe ich nur noch das Geräusch der Spraydose gehört", so der 26-Jährige. "Höllische Schmerzen" und "zwei, drei Wochen verschwommenes Sehen" seien die Folge gewesen. Seinen unglücklichen Verlauf soll der Abend aber genommen haben, als sich der Anlagenführer für einen auffällig gewordenen anderen Gast verbürgte. Da sei er "umkreist" worden, und ein Türsteher habe ihm gesagt, er solle den Club verlassen.


Lasst Anwälte sprechen

Im Grunde blieb es während der von Richter Stefan Hoffmann geleiteten Verhandlung dabei, dass nur dieser eine Zeuge vernommen wurde. Die Angeklagten selbst äußerten sich nicht zu dem Vorfall, sondern ließen über ihre Anwälte erklären, dass sie sich einer Aussage enthalten. Gemeinsame Verteidigungslinie, ausgearbeitet zwischen den vier sie betreuenden Rechtsanwälten oder abwartende Vorsicht?
Jedenfalls lieferte das Opfer, das im Zeugenstand aussagte, durchaus Munition für die Verteidigung. Die Frage, warum er, nachdem er aufgefordert worden war, die Lokalität zu verlassen, nicht gegangen sei, musste er sich gefallen lassen.
Die Sachlage in solchem Fall ist ohnehin eindeutig, da Türsteher das Hausrecht vertreten und nicht jeder Gast geduldet werden muss. Einem der Angeklagten, einem 35-jährigen Türsteher aus dem Raum Marktredwitz, hielt der Zeuge zugute, dass sich dieser nach dem Vorfall mit dem Pfefferspray mit zwei Wasserflaschen um ihn gekümmert habe. Zum Ausspülen und zur Schmerzenslinderung.


Mehr Securitys im Raum

Aber dieser Mann war auch derjenige, von dem sich einwandfrei sagen ließ, dass er tatsächlich in Körperkontakt mit dem Opfer getreten war. Denn was der Zeuge zudem zugab, war, dass er durch das Pfefferspray nur verschwommen und schemenhaft habe sehen können, was um ihn herum geschah. Nun aber war es so, dass er zugeben musste, dass sich noch mehr Security-Mitarbeiter als nur die vier angeklagten im Raum befanden.


Einstellung signalisiert

Einen Tatnachweis gegen drei der zwischen 24 und 46 Jahre alten Männer ließ sich so nicht führen. Noch dazu kam für eine kurze Zeit die Frage auf, ob es überhaupt ein Pfefferspray gab. In herangezogenen Ermittlungsakten der Akten der Polizei soll sich ein Beamter skeptisch geäußert haben.
Den Pfeffersprayeinsatz stellten Richter und Staatsanwalt nicht in Abrede. Aber wer gesprüht hat, sollte nicht mehr ermittelt werden. Auch darum, weil die Staatsanwaltschaft den Willen zur Verfahrenseinstellung signalisierte.
Der 35-jährige Angeklagte aber, der Hausrecht über den Schwitzkasten durchdrücken wollte, wird 300 Euro für seine Verfahrenseinstellung aufzubringen haben.