von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Fronleichnamsfest 2013 in Marktgraitz. Ein Mann kommt mit Pfefferspray in Berührung. Lief er in eine gesprühte Wolke hinein, oder wurde er gezielt verletzt? In einem Verfahren am Mittwoch um gefährliche Körperverletzung musste diese Frage geklärt werden.
Am Ende von fünf Zeugenaussagen stand für das Gericht unter Vorsitz von Christoph Lehmann fest, dass eine junge Mutter nicht nur eine gefährliche, sondern zudem auch eine fahrlässige Körperverletzung begangen hat. Die 29-Jährige aus dem Raum Marktgraitz mochte es am Ende des Verfahrens nicht fassen. Soeben wurde die bislang nie auffällig gewordene Frau zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Aufgelöst entschuldigte sie sich bei zwei Männern, denen ihre Sprühwolke gegen 22 Uhr vor beinahe genau einem Jahr zusetzte. Aber was ging dem Vorfall voraus und warum nimmt eine Frau Pfefferspray auf ein Fronleichnamsfest mit?

Noch einmal aufs Fest gegangen

Eigentlich war die junge Frau schon längst zu Hause gewesen. Aber einen Streit mit einem jungen Nachbarn habe sie aus dem Weg räumen wollen. So ging sie noch einmal auf das Fest, um den Mann zur Rede zu stellen. Er galt in ihren Augen als Raser und soll ihr und ihrem Mann gegenüber geäußert haben, dass er sie "umbringen" würde, wenn sie sich an seinem Auto vergingen.
Das Pfefferspray habe sie dabei gehabt, weil sie es immer bei sich trüge, wenn sie mit ihrem Hund Gassi gehe, erklärte die 29-Jährige. Als sie noch einmal bei dem Fest auftauchte, hatte sie sich zufällig die Jacke übergeworfen, in der sich das Spray befand. Vorsätzlich habe sie es jedenfalls nicht mitgenommen.
Während der Verhandlung versicherte die Frau, dass der von ihr zur Rede gestellte Mann plötzlich einen bedrohlichen Schritt auf sie zu gemacht habe. So sprühte sie ihrer Erinnerung nach allgemein und richtungslos. Wie es geschehen konnte, dass sich ein 17-Jähriger aus Redwitz während des Geschehens massiv an den Augen verletzte, erklärte sie damit, dass dieser wohl in die "Sprühwolke hineingelaufen" sei. Über die Dauer von zwei Wochen litt der junge Mann an seinen Verletzungen: "Ich hab' die Augen kein bisschen aufbekommen", sagte er über die Verätzungen. Die Frau habe einen Meter von ihm entfernt gestanden und sehr direkt in seine Richtung gezielt. Eben diesen Umstand konnte oder mochte die Angeklagte nicht glauben. Mehrmalig beteuerte sie, nicht gezielt zu haben. Vier weitere Zeugen traten auf, alle waren sich in diesem Punkt einig: Der Sprühstoß geschah gezielt.

"Aufgeheizte Stimmung"

Dass von der 29-Jährigen keine weiteren Übergriffe zu erwarten seien, stellte Staatsanwältin Michaela Heublein in Aussicht. Auch hielt sie der Angeschuldigten zugute, in eine "emotional aufgeheizte Stimmung" geraten zu sein. Jedoch hielt sie fest, dass der Vorfall nicht nur gefährlich, sondern fahrlässig gewesen sei. Neun Monate Haft auf Bewährung forderte sie. Im Urteilsspruch blieb der Richter zwei Monate darunter, bestätigte aber die von der Staatsanwältin geforderten zweimal 500 Euro Bewährungsauflage, die an das Opfer sowie den weiteren Geschädigten gezahlt werden sollen.