Seit Mai dieses Jahres können Kirchen wieder öffentliche Gottesdienste unter Auflagen durchführen. Und viele Pfarreien haben in der Zwischenzeit gelernt, mit den Anforderungen wie Mindestabstand, Maskenpflicht und limitierter Besucherzahl zu leben. Ordnerteams helfen vor Ort bei der Umsetzung der Regeln.

Die Pfarrei Hannberg im Seebachgrund hatte in den Sommermonaten neben den Plätzen in den Bänken der Pfarrkirche "Geburt Mariens" auch verstärkt Stühle im Freien mit zwei Metern Abstand aufgestellt. Ein Lautsprecher übertrug die liturgische Feier für die Gottesdienstbesucher ins Freie und die Gläubigen konnten dort auch ihre Kommunion empfangen.

Hierbei konnte man von der Architektur der Wehrkirche profitieren, denn der Innenhof und die Grünflächen rund um die Pfarrkirche sind von einer Ringmauer geschützt, und der Zufluss der Gläubigen kann zentral über das Eingangstor gesteuert werden. Dies wurde als besonderer Vorteil der Anlage auch vom Gesundheitsamt registriert.

Doch nun werden die Tage kälter und regnerischer, so dass bereits die auf den 27. September verschobene Feier der Erstkommunion von unangenehmem Wind und Regen begleitet war. Pfarrer Johannes Saffer und sein Pfarrgemeinderat machten sich bereits seit August Gedanken, wie man sich auf die kalte Jahreszeit unter Corona-Auflagen vorbereiten kann. Vor allem Weihnachten mit kalten Temperaturen und Corona-Auflagen machte ihn Kopfzerbrechen.

Doch es entstand eine ganze Reihe von kreativen Lösungen. Zuerst wurden zwei Pavillons für die kommenden Monate fest im Innenhof aufgebaut und mit warmen Decken ausgestattet. So können zumindest bei milden Temperaturen weitere 20 bis 30 Gäste auch im Außenbereich vor der Kirche den Gottesdienst verfolgen.

Gute Ton- und Bildqualität

Zusätzlich hat man eine Videoübertragung des Gottesdienstes direkt von der Pfarrkirche in die anliegenden Räumlichkeiten des Pfarrzentrums getestet. Auf der Kanzel in der Pfarrkirche wurde eine Videokamera aufgebaut, ein Netzwerkkabel zu den Räumlichkeiten der Wehranlage gezogen und mit dem Beamer in den Räumen des Pfarrzentrums verbunden. Bei der Umsetzung des Videoprojektes unterstützte der Medienexperte Jürgen Hauke die Pfarrgemeinde.

Der Test wurde zum Erfolg: Der Videotest am Sonntag verlief sehr gut, im große Don-Bosco-Saal waren die Stühle in 1,5 Meter Abstand aufgestellt, und die Gläubigen konnten den Gottesdienst im Warmen in sehr guter Ton- und Bildqualität verfolgen. Die Fenster wurden zum Durchlüften immer wieder geöffnet, um das Infektionsrisiko zu kontrollieren. Die Ordner der Pfarrei sorgten dafür, dass auch in den Videoräumen die Gäste den geltenden Hygienekonzept folgten.

Sie konnten dort den Gottesdienst aktiv miterleben und parallel zu den Gläubigen in der Kirche beten und singen. Zwei der Gäste, Franz Singer und Josef Haselmann, meinten einstimmig am Ende: "Das ist eine hervorragende Alternative zum Sitzen im Innenhof, denn es war heute Morgen um 9 Uhr schon empfindlich kalt".

Andreassaal wird einbezogen

In den nächsten Wochen wird die Videoübertragung auch noch auf den Andreassaal im Erdgeschoss erweitert, denn dieser Raum lässt sich auch ebenerdig für Menschen mit Handicap gut erreichen.

Für Pfarrer Saffer hat die Videoübertragung einen Vorteil im Vergleich zu den Gottesdienstfeiern auf Youtube oder im Internet. "Wir können mit der Videoübertragung auch in den Nebenräumen den Gottesdienst gemeinsam feiern und Gemeinschaft leben, denn wir werden auch die Kommunion in den Nebenräumen der Wehranlage verteilen".

Carola Schneider aus dem Pfarrgemeinderat ergänzt: "Gottesdienstübertragungen im Fernsehen und im Internet sind sicherlich sinnvoll, doch durch die Möglichkeit der Videoübertragung bei uns vor Ort machen sich die Menschen Sonntagmorgen auf den Weg in die Kirche, da sie Sicherheit haben, dass wir genügend Menschen in unseren Räumen aufnehmen können."