Die Stadt steckt voller Baudenkmäler. Wer wissen will, was wann wo von wem erbaut wurde, kommt an einem Namen nicht vorbei: Otto Titz. Von 1982 bis 1996 wirkte er als Stadtheimatpfleger. Seit 1992 arbeitete er an seinem wohl wichtigsten Werk, der Coburger Denkmalliste. 2006 kam das Buch schließlich heraus; da hatte Titz die Arbeit an dem Buch wegen gesundheitlicher Probleme schon abgegeben. Seither ist diese Denkmalliste das Standardwerk, was Coburger Gebäude, Straßen, Plätze und Grünanlagen angeht.
Heute kann Otto Titz seinen 90. Geburtstag feiern. Seit Jahren schon lebt er sehr zurückgezogen - die Gesundheit des studierten Architekten ist seit langem nicht mehr die Beste. "Ich bin ja fast blind", sagte er schon vor fünf Jahren, kurz vor seinem 85. Geburtstag. 2011 präsentierte er sein letztes Werk, eine Aufstellung über Coburgs verlorende Denkmäler, geschuldet den Abrissen seit 1946. 233 Baudenkmäler habe die Vestestadt seither verloren, sagte Titz damals und sprach von "Stadtentwicklung durch Abriss".
In Mähren geboren, meldete er sich im Zweiten Weltkrieg freiwillig zur Marine. Seine Heimat hat er nach dem Krieg nicht wiedergesehen. Er studierte Architektur und arbeitete zunächst als freier Architekt in Nördlingen. Auf den Rat des dortigen Baudirektors hin machte Titz die Prüfung zum Bau-Assessor und wurde Staatsbeamter in der Bauverwaltung. Zunächst in Bayreuth eingesetzt, kam er mit Coburg in Berührung und wurde dort an die im Aufbau befindliche Fachhochschule als Professor berufen. So gelangte er nach Coburg. "Ich habe meine eigentliche Heimat nicht kennengelernt, das hat mich geärgert. Deshalb habe ich mir vorgenommen: Wenn du dich hier niederlässt, gehst du den Wurzeln nach und recherchierst", sagte er einmal.
Politischen Parteien ist der auf seine Unabhängigkeit bedachte Baufachmann immer fern geblieben, obwohl es Berührungspunkte gab: Sein Studium finanzierte seinerzeit ein Theodor-Heuss-Stipendium (FDP), seine Frau Irmgard ("Irm") engagiert sich seit Jahrzehnten in der CSU und gehörte von 1978 bis 2002 dem Coburger Stadtrat an. sb