Hunderte Busse von Touristen kommen jedes Jahr, um sich die geschmückten Brunnen, Tausende von einzeln bemalten Eiern, und Blumengirlanden anzugucken. Helmut Klösel führt seit zwei Jahrzehnten Gäste zu den Brunnen. Auf seinen Führungen zeigt er über zwanzig verschiedene und erklärt die Tradition, die es seit etwa 1909 gibt: "Osterbrunnen gibt es besonders in höheren Gegenden, die bei Wasserknappheit auf die Brunnen angewiesen waren." Die Führungen sind sehr beliebt, Gäste kommen nicht nur aus dem Landkreis Bamberg, sondern zum Beispiel auch aus Dresden. "Es haben schon viele angerufen und gefragt, ob sie dieses Jahr stattfinden können", berichtet er.

Klösel muss die Anrufer enttäuschen: Im ganzen Landkreis und auch in angrenzenden Gegenden wie der Fränkischen Schweiz gibt es dieses Jahr keine Osterbrunnen. Aufgrund der Ausgangssperre sei das nicht möglich.

"Es ist schade für die ganze Arbeit der Leute im Vorfeld. Da werden schon vorher Flyer gedruckt, Äste gesammelt und Eier bemalt und das ist alles mit Geld verbunden. Einnahmequellen, zum Beispiel Spenden oder Kuchenverkauf fallen weg", sagt Helmut Klösel. Zudem schweißt die Tradition die Dorfgemeinschaft zusammen. "Da steckt viel Herzblut drin." "Teilweise machen auch noch 80-Jährige mit und arbeiten mit den Jüngeren zusammen", weiß Klösel.

Blick in den Schaukasten

Einen der aufwendigsten Osterbrunnen im Landkreis gibt es jedes Jahr in Lauf bei Zapfendorf. Dort ist Georg Söhnlein von den "Freunden des Laufer Osterbrunnens" für die Schmückung verantwortlich: "Der Osterbrunnen ist immer ein Aushängeschild für Lauf und für Zapfendorf, deshalb ist es traurig, dass es dieses Jahr keinen geben wird", sagt der 69-Jährige. In Lauf gibt es seit 1979 einen Osterbrunnen. Seit 2005 bewahren bei den "Freunden des Laufer Osterbrunnens" etwa 25 Leute die Tradition.

Für Söhnlein wie für Klösel ist es das erste Mal, dass die Tradition ausfallen muss. "Ab und zu gab es noch Schnee zu Ostern, aber ganz ausgefallen ist das Schmücken seit dem Zweiten Weltkrieg nie", sagt Klösel. Die Schmückung zu verschieben, lehnen sie aber beide ab: "Das ist kein Sommerfest, das geht nur zu Ostern, so ist die Tradition", sagt Söhnlein. Erst nächstes Jahr können die Besucher wieder die Osterbrunnen in voller Pracht bestaunen. Wer nicht so lange warten will, kann in Lauf trotzdem noch etwas von der Tradition sehen: In Schaukästen sind besonders wertvolle Eier der letzten Jahrzehnte ausgestellt.