Immer öfter landen Familienstreitigkeiten vor Gericht. Aber nicht etwa vor dem Familienrichter, sondern vor dem Strafrichter. Jetzt musste sich ein 22-jähriger Auszubildender aus dem Landkreis vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten, weil er unter anderem ein Messer nach seinem Vater geworfen haben soll. In der Verhandlung stellte sich das Ganze dann aber doch nicht so dramatisch dar.

Für den Ostersonntag 2020 hatten alle Beteiligten ein schönes Familienfest geplant. Doch es kam grundlegend anders, alles lief komplett aus dem Ruder. Vater und Sohn gerieten nach kürzester Zeit in Streit, was darin endete, dass der 22-Jährige seinem Vater ein Messer und ein Trinkglas hinterherschmiss.

Doch damit nicht genug. Der Vater und seine Lebensgefährtin holten die Polizei. Als die drei Beamten mit Hund eintrafen, wollte der Angeklagte sie mit dem Handy filmen. Das gefiel wiederum den Polizisten nicht - und so entstand ein Gerangel, in dessen Folge zwei Beamte zu Boden gingen, ehe der Angeklagte gefesselt werden konnte.

Messer landet im Gebüsch

Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sei damals recht angeschlagen gewesen, erklärte Verteidiger Christian Kreitmaier im Namen seines Mandanten. Dennoch habe er sich auf Ostern mit dem Vater gefreut.

Doch es sollte anders kommen. Der Vater wollte den Sohn aus dem Haus werfen. Daraufhin sei die Situation eskaliert. Ein Messer und ein Glas seien tatsächlich geflogen, doch keinesfalls gezielt, sondern meilenweit daneben. Das Messer sei im Gebüsch gelandet, das Glas zehn Meter daneben. Eine Verletzungsabsicht habe zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.

Auch die Widerstandshandlungen beim anschließenden Polizeieinsatz seien längst nicht so dramatisch gewesen, wie in der Anklageschrift vorgetragen. Nur wenige Sekunden habe sein Mandant aus einem Fenster des oberen Stockwerks gefilmt, als die Beamten eintrafen. Dann sei es zu einem beiderseitigen Missverständnis gekommen.

Die Polizisten hätten lediglich verlangt, die Aufnahme zu löschen, der Angeklagte habe dagegen gedacht, sie wollten ihm das Handy abnehmen. Das folgende Gerangel bestritt der Angeklagte nicht, er stellte aber auch unmissverständlich fest, dass es von ihm aus keine aktive Gegenwehr gegeben habe. "Es tut mir sehr leid, dass es zu diesem Einsatz kommen musste", entschuldigte er sich noch im Gerichtssaal.

Wenn die angeklagten Messer- und Gläserwürfe schließlich doch eingestellt wurden, dann vor allem deshalb, weil der Vater davon gar nichts mitbekommen hatte. Er band zu dem Zeitpunkt gerade seine Schuhe. Außerdem waren sich alle Beteiligten einig, dass es sich um eine rein familiäre Angelegenheit gehandelt habe, die damaligen Probleme seien mittlerweile aus der Welt geschafft worden.

Vor Gericht berief sich der Vater auf sein Aussageverweigerungsrecht. Seine damals ebenfalls mitanwesende Lebensgefährtin sagte aus, dass sie zwar erschrocken sei, dass das Messer aber tatsächlich weit neben ihrem Partner gelandet sei.

Beim anschließenden Polizeieinsatz hatte der Angeklagte selbst einige Blutergüsse erlitten. Wie er dafür bestraft wird, wird sich zeigen, die Verhandlung wird fortgesetzt.

Längst ausgesprochen

Bleibt noch zu berichten, dass der Vater seine Strafanzeige zurückgezogen hat, und, dass sich alle Beteiligten längst wieder vertragen. "Wir haben uns schon lange wieder ausgesprochen", so der Angeklagte, und die Lebensgefährtin des Vaters ergänzte: "Wir haben mittlerweile ein gutes Verhältnis, besuchen uns gegenseitig und kochen sogar miteinander."

Vielleicht feiern sie auch das kommende Osterfest miteinander.