80 Jahre ist es bereits her, dass Glenn Miller in den USA sein berühmtes Orchester gründete. Miller kam 1944 bei einem Flugzeugabsturz über dem Ärmelkanal ums Leben, doch seine Melodien sind unsterblich. Der niederländische Jazzmusiker und Orchesterleiter Wil Salden schwärmte schon als Kind für Melodien wie "In The Mood", "Moonlight Serenade" oder "Chattanooga Choo Choo". Heute ist er mit großer Big-Band-Besetzung und den Originalarrangements von Glenn Millers Musik weltweit auf Tournee.
Am kommenden Donnerstag, 15. März, 20 Uhr, gastiert er mit seinem Orchester im Coburger Kongresshaus Rosengarten. Im Interview erzählt er, was die Musik Glenn Millers für ihn so besonders macht.

Herr Salden, was bedeutet für Sie persönlich die Musik von Glenn Miller und wie kam es zur Gründung des von ihnen geleiteten "Glenn Miller Orchestra"?
Wil Salden: Schon als Kind und vor allem als Musikstudent war ich Fan der Sweet- und Swing-Musik der vierziger Jahre. Für mich ist Glenn Miller der prägnanteste Vertreter dieser Musik. Das Besondere an der Musik von Glenn Miller ist die Kombination von kommerzieller Präsentation, gepaart mit enorm hoher Qualität. Glenn Miller hatte ein sehr gutes Gefühl dafür, den Leuten das zu geben, was sie haben wollten. Er erreichte das mit sehr gut geschrieben Arrangements und wirklich ausgezeichneten Musikern. Mein Wunsch war und ist es, denselben Stil und dieselbe Perfektion auf der Bühne zu präsentieren und auf den Tonaufnahmen wiederzugeben.

Wie unterscheidet sich ihr Orchester vom Original der 40er Jahre. Haben Sie bei der Registerbesetzung Änderungen vorgenommen oder spielen Sie in der Originalbesetzung?
Ich lege Wert darauf, die Musik Glenn Millers in der Originalbesetzung wieder aufleben zu lassen. Zwar hat die Entwicklung der Jazzmusik in den letzten Jahrzehnten auch Einfluss auf die Ausbildung und Spielart der Musiker genommen, doch mein Ziel war und ist eine perfekte Darbietung des Originalsounds.

Können Sie in einigen Sätzen den Werdegang des "Glenn Miller Orchestra" beschreiben?
Im Jahre 1978 begann ich mit meinen Glenn-Miller-Studien. 1982 nahm ich die Verwirklichung meines Ziels, eines eigenen Orchesters, in Angriff und begann dafür Musiker zu suchen. Ich übernahm dabei Glenn Millers Idee, ließ Topmusiker - alles Solisten und studierte Musiker - aus bestehenden Orchestern vorspielen und verpflichtete gefragte Spitzenleute, die musikalisch und menschlich zu meinem Projekt passten.

Fester Bestandteil Ihrer Konzerte ist die Big-Band-Musik anderer Orchesterleiter. Nach welchen Kriterien suchen sie die Stücke aus?
Bevor Glenn Miller ein eigenes Orchester gründete und seine Musik präsentieren konnte, hat er mit anderen bekannten Musikern gespielt. Die Arbeit mit den weltbekannten Musikern hat ihn geprägt und so spielen wir auch Stücke von Dorsey, Goodman und Count Basie, um den musikalischen Reichtum der Glenn-Miller-Zeit in den 40er Jahren zu zeigen.
Höhepunkte sind aber immer noch die bekanntesten Arrangements wie beispielsweise Glenn Millers Erkennungsmelodie "Moonlight Serenade" oder "In The Mood". Ohne diese Stücke ist ein Glenn-Miller-Konzert nicht denkbar. Diese Musik wird in die Musikgeschichte eingehen wie Mozarts Kleine Nachtmusik. Glenn Miller ist - mit Verlaub - wie Bach oder Beethoven, eben klassisch. red