Sie sind 22 und 26 Jahre alt, haben bereits Knast- und Anstaltserfahrung. Jetzt stehen sie wegen räuberischer Erpressung, erpresserischen Menschenraubes, Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt. Dabei gingen sie laut Anklage unter Einsatz von Messern teils mit sadistischer Neigung gegen ihre Opfer vor.
Anfang August 2015 floh der 22-Jährige aus dem Bezirkskrankenhaus, wo nach Straftaten seine Rauschgiftsucht therapiert werden sollte. Vor dem Haus eines Bekannten in Schweinfurt traf er auf zwei Jugendliche. Einem nahm er unter Bedrohung mit einem Messer das Handy ab. Den anderen zwang er, auf der Suche nach dem Kumpel mit ihm zu gehen, drückte ihm das Messer in den Rücken, nahm ihm später den Ohrstecker ab, bedrohte ihn: "Wenn ich dich jetzt hier aufschlitze, bekommt das niemand mit." Er presste die Messerklinge auf dessen Zeigefinger und auch immer wieder an die Kehle. Schließlich konnte das Opfer flüchten.
Drei Wochen später suchten beide Angeklagte in Münnerstadt nachts einen Mann auf, den der 26-jährige Schweinfurter aus dem Gefängnis kannte. Der Angeklagte schlug dem Knastkumpel laut Anklage sofort mehrmals ins Gesicht, misshandelte ihn mit einer brennenden Zigarette, brachte ihm Schnittwunden im Gesicht bei sowie leichte Stiche auf dem Kopf und schnitt ihm mit einer Nagelschere in die Nase.


Messerstiche an den Armen

Laut Anklage zwangen beide den Mann, ihnen barfuß in die Wohnung einer Bekannten zu folgen. Später soll der 26-Jährige diesem weitere Stichverletzungen an den Armen beigebracht haben. In derselben Nacht beschädigte der 26-Jährige das Auto seiner angeblichen Verlobten - der Schwester des mitangeklagten 22-Jährigen - nachdem diese ihnen den Zutritt verwehrt hatte. Schaden: 3000 Euro.
Der 26-Jährige soll am 4. September 2015 bei einem Streit mit einem BMW-Fahrer in Bad Neustadt diesem mit einem Taschenmesser blutende Verletzungen an der Hand beigebracht und mit dem Messer gegen eine Seitenscheibe des Wagens geschlagen haben. Schließlich suchte der 26-Jährige seinen Knast-Bekannten in Münnerstadt in der Nacht zum 19. September erneut auf. Wieder misshandelte er ihn. Gerade, als der 26-Jährige eine Zigarette auf der Hand ausdrücken wollte, stürmten Polizisten ins Zimmer, die ein Bruder des Opfers alarmiert hatte. Der 22-Jährige räumt ein, die Vorwürfe könnten so stimmen, alkoholbedingt könne er sich nicht mehr genau erinnern. Es tue ihm leid. Auch der 26-Jährige beruft sich häufig auf Erinnerungslücken. Der Prozess wird am 28. September fortgesetzt.