Untermerzbach — Eine Oase der Glückseligen ist auch der Landkreis Haßberge nicht. Das machte Helmut Will von der Opferhilfsorganisation "Weißer Ring" Haßberge bei einem Vortrag in Untermerzbach deutlich. Auch im Kreis Haßberge würden jährlich zahlreiche Menschen Opfer von Gewalt.
Auf Einladung des Vereins für Gartenbau und Landespflege und der Untermerzbacher Landfrauen stellte der Außenstellenbetreuer aus Unterpreppach den Weißen Ring, die einzig bundesweit tätige Opferhilfsorganisation, anhand einer Powerpointpräsentation vor.
Arbeit für Opfer von Gewalttaten werde bundesweit in 420 Außenstellen mit etwa 3000 ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet. Im Haßbergkreis sind neben dem Referenten zwei Frauen in der Opferarbeit tätig.
"Hier auf dem flachen Land, in unserem Landkreis, bearbeiten wir im Jahr zwischen 15 und 30 Fälle", sagte Will. Er sei allerdings davon überzeugt, dass sich viele Opfer von Straftaten, warum auch immer, nicht an den Weißen Ring wenden. "So ein Schritt ist sicher nicht leicht, vor allem, wenn Menschen Opfer von Straftaten im sensiblen Bereich, wie zum Beispiel sexueller Gewalt geworden sind." Aber gerade solche Menschen bedürften fachlicher Hilfe.

Frühzeitige Hilfe ist wichtig

Ein Ziel des Weißen Rings sei es deshalb zu helfen, solche Menschen möglichst frühzeitig nach einem Übergriff in qualifizierte Hände eines Traumatherapeuten zu bringen. Die Mitarbeiter des Weißen Ring seien gute Zuhörer. Großen Wert legte Will darauf, zu verdeutlichen, dass Mitarbeiter des Weißen Rings verschwiegen sind und nichts tun, was nicht mit dem Opfer abgesprochen ist.
Anhand einiger authentischer Beispiele, die der Referent selbst bearbeitet hat, zeigte er die Hilfsmöglichkeiten des Weißen Rings auf. Diese sind unter anderem, dem Opfer zuzuhören, seine Rechte aufzuzeigen, es bei Behörden oder Antragstellungen zu unterstützen. Daneben sei gegebenenfalls auch materielle Unterstützung möglich.

Rechte oft unbekannt

"Eine finanzielle Unterstützung wird bei Bedürftigkeit und Vorliegen der satzungsgemäßen Voraussetzungen geleistet", sagte Will. Sofern gewünscht, begleiten die Mitarbeiter Opfer bei notwendigen Behördengängen, zur Polizei, zum Anwalt oder auch zu Gerichtsterminen. "Ich stelle immer wieder fest, dass Opfer nicht oder nur unzureichend über ihre Rechte informiert sind", sagte Will. So sei das Opferentschädigungsgesetz (OEG) oft gänzlich unbekannt.

Zivilcourage ist gefragt

Will forderte dazu auf, bei Straftaten generell, vor allem aber bei solchen, die sich gegen die körperliche Unversehrtheit von Personen richten, nicht die "Vogel-Strauß-Methode" anzuwenden, sondern Zivilcourage zu zeigen. "Jeder von uns kann schon morgen Opfer einer Straftat werden, und Opfer haben mitunter lebenslang mit deren Folgen zu kämpfen", schloss Will. Mehr erfahre man unter www.weisser-ring.de . red