Dass eine Krise auch positive Seiten haben kann, zeigt das Beispiel der "Mehrwertstatt" in Haßfurt. Die Unternehmensberater haben ihr Angebot und ihre Arbeitsweise umgestellt. Die Wirtschaftsförderung am Landratsamt Haßberge schildert im Folgenden die neue Vorgehensweise der "Mehrwertstatt" in Haßfurt.

Sicherlich standen für viele Unternehmen ab März die Aufrechterhaltung des Betriebs und die Gesundheit der Beschäftigten ganz oben auf der Prioritätenliste. Mitarbeiter wurden ins Homeoffice oder gar in Kurzarbeit geschickt, externe Besucher hatten keinen Zugang zum Werksgelände, Fort- und Weiterbildungsangebote wurden abgesagt und untersagt.

Auch für die Gründer der "Mehrwertstatt" bedeutete dies erst einmal den Stillstand ihres Betriebes. Denn dem Unternehmensberatungsunternehmen in Haßfurt waren quasi von heute auf morgen alle eingeplanten Workshops und Seminare abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Deshalb hieß es für die Mitarbeiter, mit dieser Situation zurecht zu kommen und neue Wege zusammen mit den Unternehmen zu finden, die es ermöglichen, die Leistungen coronagerecht zu erbringen. Und so wurden die Angebote kurzerhand online abgehalten, um die Führungskräfte und Mitarbeiter der Unternehmen erreichen zu können.

Selbst bei Daniela Winter und bei Bernd Geisel musste dieser Lernprozess innerhalb kürzester Zeit durchlaufen werden, um den Betrieb der "Mehrwertstatt" sicherzustellen.

Mobiles Arbeiten ist seit Jahren ein Thema in den Unternehmen, zumindest in den Köpfen. Konsequent vorangetrieben wurde dies - wie auch die Digitalisierung selbst - bisher aber nur von den wenigsten. Deshalb war es während des Corona-Lockdowns - und auch jetzt noch - gar nicht so einfach, die nötige Hardware zu beschaffen und in die IT-Sicherheitsstruktur des Betriebes einzubinden. Eine weitere Herausforderung war, die richtige Software zu finden: Welche Onlinetools gibt es? Wie funktionieren sie? Welche Funktionalitäten bieten sie? Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis?. Tag für Tag sammelten Bernd Geisel und Daniela Winter hierzu neue Erkenntnisse und Erfahrungen, bis sie schließlich festgestellt hatten, das es die Lösung nicht gibt, sondern unterschiedliche, auf die jeweiligen Bedarfe zugeschnittene Lösungen sind, die der Markt derzeit hergibt.

Mittlerweile geben Daniela Winter und Bernd Geisel keine Präsenz-Meetings und Work-shops mehr, sondern skypen, zoomen, machen eine Webex und schicken ihre Informationen und Daten durch die Internet-Wolke (Cloud). Anfangs noch mit Notebookmikro und -lautsprecher ausgestattet, wurde nach und das passende Equipment wie Headset und Webcam beschafft. Wie sich herausgestellt hatte, war auch diese Beschaffung nicht so leicht. Denn die Nachfrage nach derartigem Gerät hatte immens zugenommen und die Lieferketten aus China waren ja unterbrochen.

Große Firmen mit Problemen

Überraschend war für Daniela Winter und Bernd Geisel insbesondere, dass nicht nur die kleinen Unternehmen über zu wenig geeignete Hard- und Software verfügten, sondern selbst größere Betriebe nicht wirklich auf ein durchgängiges mobiles Arbeiten ihrer Mitarbeiter aus dem Homeoffice eingestellt und entsprechend ausgerüstet waren. Hingegen bestätigen können die beiden jedoch, dass trotz einiger Bedenken in den Führungsebenen die Führungskräfte und Mitarbeiter den gegenteiligen Beweis angetreten sind, dass man im Homeoffice vieles einfacher, schneller und unkompliziert erledigen kann. Mit Entscheidungsfreudigkeit, Kreativität und Improvisationsvermögen wurde daher in vielen Heimarbeitsplätzen effizienter als erwartet und problemloser als befürchtet das tägliche Pensum bewältigt. "Wir hatten uns nie mit dem Gedanken beschäftigt, Seminare und Workshops - anstatt vor Ort - alternativ auch online durchzuführen", stellt Bernd Geisel fest. "Jetzt haben wir unsere Konzepte überarbeitet, Durchführung und Methodik angepasst, so dass aus dem Seminar ein Webinar geworden ist" ergänzt Daniela Winter. "Wir müssen unsere Unternehmensvision ,Erfolgreich Werte schaffen' wohl auf ,Erfolgreich Werte auch online schaffen' erweitern", scherzt Bernd Geisel.

Bestes Beispiel ist die Seminarreihe "Unternehmen.Führen.Digital.", die vom Regionalmanagement des Landkreises ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplant und wegen Corona bis jetzt online durchgeführt worden war. "Ganz ohne Präsenzveranstaltung sollte und wird es nicht gehen", meint Michael Brehm, Wirtschaftsförderer am Landratsamt. Er vermisst vor allem den Erfahrungsaustausch vor und nach Präsenzveranstaltungen. Online-Meetings sind zwar kompakt, aber wegen der auf Stumm geschalteten Mikrofone oft Monologe. Bernd Geisel kann dies bestätigen und hat es mit seiner Kollegin im Beratungsangebot berücksichtigt.

Online bedeutet auf jeden Fall einen nicht zu unterschätzenden Zeit- und Kostenvorteil. Es bleibt viel weniger Zeit auf der Strecke, Hotel- und Fahrtkosten entfallen. Selbst die Terminplanung ist einfacher geworden. Denn sich in eine "Sitzung" einzuloggen, funktioniert quasi jederzeit und überall - vorausgesetzt, die Internetleitung steht oder das Mobilfunknetz ist verfügbar.

Entspannung und Zuversicht

In den vergangenen Tagen und Wochen hat sich die Situation im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mehr und mehr entspannt, so dass selbst in den Betrieben viele Vorsichtsmaßnahmen gelockert werden konnten. Die Tage, bis eine effiziente Mischung von Online- und Präsenzmaßnahmen möglich sein wird, scheinen deswegen absehbar zu sein. Wie Daniela Winter und Bernd Geisel blicken wahrscheinlich wohl viele Dienstleister wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. red