Obwohl eine FFP2-Maske das Gesicht von Thomas Müller zur Hälfte verdeckt, ist ihm deutlich anzusehen, wie erleichtert er ist. Als ein Teil des Coburger Impfteams hat er in den letzten Wochen deutlich zu spüren bekommen, dass sich die Impfmüdigkeit auch im Coburger Land bemerkbar gemacht hat. "Zuerst wurde um jede Impfdosis gekämpft und als endlich genug für alle da war, wollte plötzlich keiner mehr - das hat uns alle extrem frustriert", erzählt er. Deshalb sei es für ihn umso schöner, dass vor dem Impfbus in Haarbrücken schon eine ganze Reihe an Impfwilligen auf ihr Vakzin wartet.

Auch Corinna Rösler, Pressesprecherin des Landkreis Coburg, merkt, dass es neue Impfimpulse braucht, um der Impfmüdigkeit entgegenzuwirken. Solche Impulse wurden am Wochenende gesetzt: In der Alten Angerturnhalle in Coburg wurden am Freitag 169 Kurzentschlossene ohne einen Termin geimpft, am Sonntag gab es im Impfzentrum in Witzmannsberg die Möglichkeit, sich spontan impfen zu lassen und seit Sonntag rollt auch der Impfbus durch den Landkreis. Die erste Station war das Dorffest in Haarbrücken. "Wir haben gehofft, dass wir so möglichst viele kommen, die sich das Fußballspiel am Festplatz anschauen wollen", erklärt sie.

Tatsächlich wird in Haarbrücken das Fußballspiel bald zur Nebensache: Schon in den ersten drei Stunden haben sich 60 Besucher mit Johnson & Johnson impfen lassen, die Schlange vor dem Bus scheint gar nicht kürzer zu werden. "Dass sich heute so viele spontan dazu entschlossen haben, sich hier impfen zu lassen, zeigt auch uns, dass die Leute auf ein mobiles, unbürokratisches Impfangebot gewartet haben", erklärt Corinna Rösler.

Fürs Vereinsleben

Rolf Melzer, Vorstand der Neustadter Turngemeinde, freut sich auch, dass das Impfangebot so gut angenommen wird. Gemeinsam mit den Vorständen des TTC Thann und dem FC Haarbrücken hat er sich dafür eingesetzt, dass der Impfbus in Neustadt Halt macht. "Für uns Sportvereine ist es extrem wichtig, dass weiter geimpft wird - nur dann kann unser Vereinsleben endlich wieder stattfinden", erklärt er.

Auch Michael Cisar und Jasmin Bauer hoffen, dass das Leben wieder normal wird. Deshalb stehen sie am Sonntagnachmittag vor dem Impfbus in Haarbrücken, um sich impfen zu lassen. Beide haben sich spontan entschieden, das Impfangebot wahrzunehmen. "Meine Schwester wohnt in Haarbrücken, sie hat mir davon erzählt - und da habe ich mir gedacht, ich mache das jetzt endlich", erzählt Jasmin Bauer. Sie sei bisher unsicher gewesen, aber habe sich ihrem Sohn zuliebe zum Impfen entschlossen: "Ich möchte mit ihm unbeschwert in einen Freizeitpark gehen können." Michael Cisar hat hingegen keine konkreten Wünsche. "Für mich ändert sich erst einmal nichts, ich bleibe weiterhin vorsichtig", erklärt er.

In Witzmannsberg wurde am Sonntag der Impfstoff von Biontech ohne eine Terminvereinbarung geimpft - das heißt, auch Kinder und Jugendliche durften sich dort impfen lassen.

Eine von ihnen ist Jule, 15 Jahre alt. "Das hat gar nicht weh getan - und die Mitarbeiter waren total cool und entspannt", erzählt sie. Es sei ganz allein ihre Idee gewesen, sich am Sonntag spontan zu impfen. "Meine Freunde haben ihre Impfung auch schon hinter sich, und wenn ich dann in den Urlaub in die Toskana fahre, brauche ich gar kein schlechtes Gewissen zu haben", erklärt sie.

Am Ende der Spontan-Impfaktion in Witzmannsberg sind mehr als 250 Impfungen durchgeführt worden. "Ich schätze, etwa 35 bis 40 Prozent gingen dabei an Jugendliche", sagt Alexander Herr, der am Sonntag dem Impfteam in Witzmannsberg unter die Arme gegriffen hat. Das Interesse an der spontanen Impfaktion habe ihn überwältigt. "Die ersten Leute waren schon sehr früh da, die Schlange war so riesig, dass wir alle Hände voll zu tun hatten - aber zum Glück haben alle geduldig gewartet."

Dass die Impfangebote in Stadt und Landkreis Coburg so gut ankommen, freut auch Landrat Sebastian Straubel. Er hat sich am Sonntag in Haarbrücken vor Ort ein Bild davon gemacht, wie der Impfbus bei seiner ersten Fahrt ankommt. "So wie ich das einschätze, wird künftig mehr auf mobile Teams und unbürokratische Angebote gesetzt", sagt er. Deshalb gibt es in der alten Angerturnhalle auch am kommenden Freitag die Möglichkeit auf eine Spontan-Impfung. In Witzmannsberg soll die Spontan-Impfaktion an jedem ersten Sonntag im Monat wiederholt werden. Und auch der Impfbus tourt weiter durchs Coburger Land. Thomas Müller hofft, dass das Interesse so hoch bleibt: "Wir freuen uns über jeden, der kommt - irgendwann wollen wir ja alle unser Leben zurück."