Zu "Betreiber: Behörden zerstören unsere Existenzen" vom 30/31. Januar von Stephan Herbert Fuchs:

Wie aus dem Energieatlas Bayern zu erlesen ist, erzeugt die Wasserkraft in Bayern ca. 13 bis 15 Prozent der Bruttostromerzeugung. An sich eine gute Sache, denkt man - jedoch der weitaus größte Teil der Anlagen (ca. 3500) hat nur eine Leistung von kleiner 100 kW. Somit tragen 80 Prozent dieser Kleinstwasserkraftanlagen nur etwa drei Prozent an der erzeugten Gesamtstrommenge bei.

Es ist demnach nur allzu logisch, dass gerade bei dem größten Teil dieser Kleinwasserkraftanlagen seitens der Behörden auf eine gute Umweltverträglichkeit geachtet wird. Wenn also diese sogenannten Altanlagen, die historisch bedingt bisher noch keine Fischaufstiegshilfen hatten, umgebaut oder erweitert werden sollen, ist es notwendig, auch Fischaufstiegshilfen nach zu rüsten.

Der finanzielle Aspekt sollte in diesem Fall hinten anstehen, denn bisher wurde mit diesen Kleinanlagen in den vergangenen Jahrzehnten ja gut verdient. Ferner sind die genannten Kosten von 200 000 Euro für eine Fischaufstiegshilfe höchst unrealistisch.

Ich setze mal dagegen für ein 100 Meter langes natürliches Gerinne mit Flussbausteinen einen Betrag von 100 bis 200 Euro pro laufendem Meter an und komme dann auf etwa 20 000 Euro - zusätzlich noch Planungskosten/Ingenieurleistungen geschätzt auch 10 000 Euro. Hat der Autor hier vielleicht eine Null zu viel in seinem Artikel eingebaut?

Liebe mündige Leser, schauen Sie im Internet mal unter "Fischaufstiegshilfen" nach, dann können Sie Bilder und das Leben von Fischen in diesen Bereichen selbst beurteilen. Auch die Daten und Fakten der Wasserkraft in Bayern sind im Internet veröffentlicht!

Bei den größeren Wasserkraftwerken ist es im Übrigen bereits in der Genehmigungsphase Pflicht, entsprechende Fischaufstiegshilfen einzuplanen - somit gelten gleiches Recht und gleiche Pflichten für alle.

Als aktiver Fischer seit mehr als 50 Jahren und als Fischereiaufseher bin ich mir sicher, dass funktionierende Fischaufstiegshilfen inzwischen unverzichtbar für einen intakten Fischreichtum sind. Bachforellen, Äschen und Kleinfische wie Elritzen, Mühlkoppen und Bachneunaugen in den Oberläufen unserer Gewässer brauchen keine Staubereiche vor den Wasserkraftanlagen, sondern fühlen sich in sauerstoffreichen, gut strukturierten Fließstrecken und kiesgründigen Laichplätzen am wohlsten.

Zurzeit ist es leider nur möglich, den Fischbestand in unseren Gewässern mit externen Besatzmaßnahmen zu erhalten, weil es gerade an diesen Lebensbedingungen mangelt. Der Fliegenfischer Untersteinach e.V. hat deshalb in den letzten zehn Jahren insgesamt 12 600 Bachforellenbrütlinge, 2200 einjährige Bachforellensömmerlinge und 2600 einjährige Äschensömmerlinge in die Gewässer Steinach und Schorgast eingesetzt.

Ferner konnten wir bei den Baumaßnahmen Hummendorfer Brücke und Talbrücke B 289 Untersteinach in Abstimmung mit den zuständigen Behörden erreichen, dass entsprechende Kieslaichstrecken eingebaut wurden und Laichgräben erhalten bzw. geschaffen werden.

Albert Müller,

Rugendorf