Ein Trio will eine Neustrukturierung der Landesligen in Bayern, nun lässt es seinen Worten Taten folgen: Sie haben ein 16-seitiges Konzept zum Bayerischen Fußballverband nach München geschickt.

Bereits Ende Februar diesen Jahres gingen Stefan Finzel (SC Ebersdorf), Michael Schulz (SV Coburg-Ketschendorf) und Manfred Neumeister (Kreisspielleiter Bamberg, Bayreuth, Kulmbach) mit ihrer Idee von einer "oberfränkischen Königsklasse" an die Öffentlichkeit. Sie verfolgen damit nachhaltig das Ziel, mehr Regionalität in der Postpandemiezeit zu schaffen.

Zwei Landesligen zusätzlich

Sieben statt fünf Landesliga soll es demnach künftig geben. Geplant ist eine nahezu oberfränkische Liga mit 18 Mannschaften. Dieser neuen Landesliga Nord sollen sieben jetzige oberfränkische Nordost- und Nordwest-Landesligisten sowie zehn aktuelle oberfränkische Bezirksligisten - jeweils die ersten Fünf der Tabelle aus West und Ost - angehören. Zudem würde der im Spielkreis Marktredwitz beheimatete SV Mitterteich (Oberpfalz) in diese Liga eingeteilt. Der VfL Frohnlach fällt heraus, da er seine Mannschaft zurückziehen will. Die SpVgg Jahn Forchheim soll - wie bisher - dem Bezirk Mittelfranken zugeordnet bleiben, dann in der neuen Landesliga Nordost.

Diese Idee des Trios erinnert stark an die 2012 abgeschafften Bezirksoberligen. Viele Derbys sollen so im Mittelpunkt des Zuschauerinteresses stehen - am besten gleich ab der neuen Saison. Doch soweit ist es noch lange nicht.

Das Funktionärstrio geht in seinen Plänen von einem Saisonabbruch der gerade unterbrochenen Spielzeit nach dem 3. Mai 2021 und einer modifizierten Quotienten-Regelung aus. Eine weitere Voraussetzung ist bereits erfüllt: Der Ligapokal ist von der Bayernliga abwärts abgebrochen, dadurch wird es keine zusätzlichen Aufsteiger geben. Berücksichtigt werden im neuen Konzept also nur zusätzliche Aufsteiger durch die modifizierte Quotienten-Regelung - und keine Absteiger.

Mehr Gerechtigkeit

"Unser Konzept wurde erstellt, um ungerechte Auf- und Abstiegsregelungen nach drei Wechselperioden und fast zwei Spielzeiten zu harmonisieren und zudem die Vereine in Verbindung mit der Möglichkeit von Mehreinnahmen und gleichzeitigen Kostensenkungen zu motivieren. Im Vordergrund stehen bei diesem Konzept der Fußball, die Regionalität sowie die Harmonisierung des Süd-/Nordgefälles", erklärt Finzel.

Weiterhin stellt das Konzept an den Beispielen Oberfranken und Niederbayern die fehlende Landesliga-Identität der Bezirksverbände dar. Letztere werden nach Meinung der Initiatoren jeweils zwischen zwei Landesligen verteilt, was zu nicht vertretbaren Mehrkosten und fehlender Akzeptanz der Landesliga führe. "Langfristig gesehen, wird dies als Effekt ein Ausdünnen der Landesliga-Teams zur Folge haben", ist sich der Ebersdorfer Funktionär sicher.

Der sportliche Wert der Landesligen ist in den vergangenen Jahren bereits enorm gesunken: Vor der Einführung der Regionalligen 1994 waren die drei Landesligen die vierthöchste deutsche Spielklasse. Oberfranken stellte 14 Vereine. 2008 wurde die 3. Liga eingeführt, die Landesligisten waren nur noch fünftklassig. 2012 gab es eine Ligareform mit Abschaffung der Bezirksoberligen und Aufstockung der Landesligen von drei auf fünf. Hintergedanke der damaligen Umstrukturierung war die Reduzierung langer Anfahrtswege.

Derzeit ist Oberfranken nur noch mit neun Vereinen unter den 90 Landesligisten vertreten. Die Wegstrecken sind für die Oberfranken durch die Einteilung in zwei Spielklassen nicht verkürzt worden. Lag der Anteil der oberfränkischen Vereine bei drei Landesligen und 54 Vereinen überproportional bei knapp 26 Prozent, so liegt er 2020 bei neun Landesligisten und 90 Vereinen bei gerade einmal zehn Prozent. Tendenz fallend, da Oberfranken als kleiner Bezirk seine Vereine in zwei Spielklassen aufteilen muss.

Motivationsschub für viele Vereine

Gestärkt wurden in all den Jahren nach 2012 die Ballungszentren um Nürnberg, Würzburg/Schweinfurt und München. "Solidargemeinschaft sieht anders aus", sagt Finzel dazu. Die Umsetzung der Vorschläge würde nach Überzeugung von Schulz und Neumeister die Zahl der Derbys in vielen Ligen steigen, die Aufstiegschancen verbessern und bei vielen Vereinen einen Motivationsschub auslösen. Außerdem könne der Verband Probleme bei der Anwendung der Quotienten-Regel harmonisieren und seine Flexibilität - gerade in der Pandemiezeit - unter Beweis stellen.