Stephan Herbert Fuchs

32 neue Landwirtschaftsmeisterinnen und -meister aus allen Teilen Oberfrankens und teilweise auch darüber hinaus sind vom Fortbildungszentrum für Landwirtschaft Almesbach in Bayreuth verabschiedet worden. Unter ihnen auch der einzige neue Meister aus dem Landkreis Lichtenfels, Michael Schmitt aus Hochstadt. Glückwünsche gingen dabei auch an die sechs Meisterinnen der Hauswirtschaft, die ihren Brief bereits bei anderer Gelegenheit erhalten hatten.
Sämtliche Absolventen stünden nun auf der höchsten Stufe der Fortbildung im praktischen Bereich, sagte der Leiter des Fortbildungszentrums, Gerhard Gradl. Ihre Bildung sei damit aber hoffentlich noch nicht zu Ende. Lebenslange Weiterbildung gehöre genauso dazu, wie neue Ziele für Haus und Hof.


Notwendiges und Überflüssiges

Gradl brachte auch die fortschreitende Digitalisierung ins Spiel. Sie sei mittlerweile in der Landwirtschaft voll angekommen. Dabei gelte es, Notwendiges und Nutzbringendes von Überflüssigem und Überteuertem zu unterscheiden. Auch dazu sei eine solide Aus-, Fort- und Weiterbildung notwendig.
Die Fortbildung zum Landwirtschaftsmeister bezeichnete Gradl dabei als grundsolide Basis. Es sei von enormer Bedeutung, das Gleichgewicht zwischen der Erfahrung der Älteren und den neuen Ideen der Jüngeren zu finden, sagte Landwirtschaftsdirektor Gradl an die Eltern der frischgebackenen Meister gerichtet. Beide Seiten sollten offen sein für Neues einerseits und für Bewährte andererseits. So könnten sie gemeinsam die Zukunft ihrer Betriebe aktiv gestalten.
"Meister sind nicht nur Persönlichkeiten, die mit beiden Beinen im Leben stehen, Meister sind auch Eliten", sagte Festredner Josef Kraus, erfahrene Lehrkraft, langjähriger Schulleiter und Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Die Landwirtschaftsmeister stünden dabei fester mit beiden Beinen im Leben, als so manche Absolventen mit Bachelor, so Kraus, der die "Überakademisierung" hierzulande bemängelte.
Seit 2014 gebe es jedes Jahr mehr Studienanfänger als junge Leute, die eine berufliche Ausbildung beginnen. Das sei eine Gefahr für das wirtschaftliche Wachstum, weil schon jetzt die Fachkräfte fehlten.
Eine Ausbildung in der Landwirtschaft stelle allerhöchste Anforderungen, so die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. Dieser hohe Anspruch sollte in der Öffentlichkeit noch viel deutlicher herausgestellt werden, denn viele Menschen hätten ein völlig falsches Bild vom Beruf des Landwirts oder auch der Hauswirtschafterin. "Die Anforderungen an die Bauern wachsen ständig, deshalb ist eine gute Ausbildung unerlässlich", so die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Dabei sei eine nachhaltige Landwirtschaft mit multifunktionalen Aufgaben von besonderer Bedeutung. Schließlich hänge jeder siebte Arbeitsplatz im Bezirk von der Landwirtschaft ab.