Ein generelles Gottesdienstverbot muss auch die Höchstadter Stadtpfarrei in Kauf nehmen, nachdem Politik und Erzbistum eine entsprechende Weisung erlassen haben. Selbstverständlich wird man sich daran halten.

Dennoch möchte Stadtpfarrer Kilian Kemmer die Kirche zum Gebet geöffnet lassen. "Wenn verschiedene Dienstleistungen und Geschäfte geöffnet bleiben dürfen, dann wird auch die Tür unserer Kirche offen bleiben". Denn, so argumentiert Kilian Kemmer, "der Mensch lebt nicht vom Brot allein".

Die Menschen sind in diesen Tagen massiv auf der Suche nach Halt und Orientierung angesichts der Corona-Krise, so die Beobachtung von Kilian Kemmer. Jeden Abend um 18 Uhr zündet der Stadtpfarrer eine Kerze an der Lourdesgrotte an und betet um Schutz und Gesundheit für die Stadt und für alle Menschen.

Über Nacht offen

Von kommendem Samstag auf Sonntag will Kilian Kemmer "die Öffnungszeit seines Ladens" verlängern. Die Stadtpfarrkirche wird unter strikter Beachtung aller Auflagen die ganze Nacht offen bleiben zum Gebet und erst am Sonntag um 17 Uhr wieder geschlossen werden. "Da wird nichts gestaltet und nichts gemacht. Menschen haben genügend Sorgen und Kummer in diesen Tagen und können selbst frei beten so lange sie wollen."

Gespräche am Sonntag

Nachdem die Gottesdienste entfallen müssen, stehen die Seelsorger jeden Sonntag früh von 9 bis 10.30 Uhr zum Gespräch zur Verfügung. Dabei werden auch Osterkerzen zum Verkauf angeboten, die an sich schon ein Zeichen der Hoffnung darstellen. Sie können an alle Familienmitglieder, Alte und Einsame verteilt oder auf die Gräber der Verstorbenen gestellt werden. Denn die Osternacht wird wohl heuer nicht in St. Georg gefeiert werden können.

Inwieweit ein Livestream auf der Homepage der Pfarrei eingerichtet wird und Live-Übertragungen aus der Stadtpfarrkirche möglich sein werden, darüber denkt man momentan nach und wird rechtzeitig informieren. "Eines sollen alle momentan wissen: Wir sind einfach da, unsere Kirche steht offen und der Pfarrer und sein Mitarbeiterstab haben keinen Urlaub und schlafen nicht aus, sondern versuchen, die Krise auch geistlich zu bewältigen. Ich bete für alle", so Kilian Kemmer in seiner Stellungnahme zur Corona-Krise. red