S chaut hin!" So lautet das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages, der zurzeit in Frankfurt und überall stattfindet. Kirchentag bedeutet außerhalb von Corona ein Treffen von vielen Tausend Menschen für fünf Tage, die miteinander diskutieren, Zeit verbringen, Gottesdienst feiern, etc. Eine solche Veranstaltung ist in diesen Tagen natürlich nicht möglich - daher heißt es heuer beim Kirchentag: "digital und dezentral".

Das Leitwort dieses ökumenischen Kirchentages stammt aus der Geschichte der "Brotvermehrung", in der Jesus und seine Jünger mehrere Tausend Menschen mit fünf Fischen und zwei Broten satt bekommen (Mk 6, 35-44).

"Mach doch deine Augen auf!", sagen wir, wenn wir jemanden dazu auffordern, hinzuschauen.

Hinschauen - das ist mehr als sehen, das ist genauer hinsehen, wahrnehmen und fokussieren, was da vor uns passiert.

Wie passend diese Aufforderung, dieser Appell doch ist. Es gibt so viele Themen, wo wir aufgerufen sind hinzuschauen: Corona und seine Folgen für uns, unsere Mitmenschen, unsere Gesellschaften, der Klimawandel und die immer weniger werdenden Ressourcen unserer Erde, Flüchtlinge, die nach wie vor im Mittelmeer ertrinken, eskalierende politische Krisen, ... die Aufzählung ließe sich noch weiter fortsetzen.

"Schaut hin!" - dahinter steckt noch mehr. Es ist zum einen die Aufforderung, Neues zu entdecken oder neue Perspektiven einzunehmen, Dinge aus einer anderen Sicht wahrzunehmen. Und zum anderen ist es auch der Appell, Konsequenzen zu ziehen aus dem, was ich entdecke, aktiv zu werden, Verantwortung zu übernehmen und meinen Teil für eine Veränderung und Verbesserung beizutragen.

Und ja, an manchen Tagen ist es anstrengend und zu viel, und ich will meine Augen lieber zumachen und nicht hinschauen, hinhören, wahrnehmen.

Das sei uns gegönnt. So eine kleine Auszeit muss manchmal sein und tut gut.

Nur bitte nicht zu lang. Denn die Aufforderung "Schaut hin!" gilt ja nicht nur für große Themen oder Dinge, die schieflaufen und im Argen liegen. Auch bei Kleinigkeiten, die uns Freude machen, oder Sachen, die gut gelingen, dürfen wir genauer hinschauen: das schöne Wetter, das uns nach draußen lockt, das Eis aus der Lieblingseisdiele, die Großeltern, die endlich wieder zu Besuch kommen dürfen, mein fertig gestelltes Balkonprojekt oder (hoffentlich zeitnah) der erste Besuch im Biergarten und Theater.

Oft sind es ja auch diese Kleinigkeiten, die uns die Kraft und Energie geben, um bei anderen Themen aktiv zu werden. Also: Schaut hin!

Nicole Koch, Gemeindediakonin in der Pfarrei Coburg-Süd und

Dekanatsjugendreferentin der ejott