Zu "Nur noch für katholische Gottesdienste” in der Ausgabe vom 7. Mai, Seite 15, im Coburger Tageblatt:

Wieder ein Eigentor für unsere katholische Kirche! Dieses Mal kam der Torschuss nicht aus Rom, sondern von einem Pfarrer, dem anscheinend jegliches Gefühl für ein gedeihlich so notwendiges, gutes ökumenisches Klima im Coburger Land fehlt.

Da schließt doch der katholische Pfarrer von Seßlach künftig die Tore seiner Pfarrkirche zu, wenn evangelische Christen mangels eigener Möglichkeiten um Gastfreundschaft bitten, damit sie ihre Gottesdienste feiern können - und das auch nur einmal im Monat! Wie froh war ich in meiner Coburger Kaplanszeit unter dem weitherzigen Dekan Kaspar Lang, wenn ich in evangelischen Kirchen regelmäßig Gottesdienste feiern konnte, wie zum Beispiel in der evangelischen Schlosskapelle von Ahorn.

Wir Katholiken wurden damals nicht ausgesperrt, sondern von den evangelischen Mitbrüdern offen und ganz selbstverständlich willkommen geheißen! Haben sich die Zeiten in Bezug auf das ökumenische Klima wirklich wieder so zum Negativen entwickelt?

Ich kann den Ärger der Gläubigen auf beiden Seiten verstehen, der bis zu mir nach München durchgedrungen ist. In jedem Brief wurde das Verhalten des katholischen Pfarrers mit drastischen Worten kommentiert - und das mit Recht.

Und dennoch kann die Reaktion auf solche Verbote nicht darin bestehen, aus der Kirche auszutreten, vielmehr ist hier "auftreten” der Gläubigen auf beiden Seiten das Gebot der Stunde!

Gelebte Ökumene ist in vielen Gemeinden des Coburger Landes eine Selbstverständlichkeit. Der Eindruck aus diesem Vorfall aber drängt sich auf, dass es immer Menschen geben wird, die Augen, Ohren und Herz für ein gutes Miteinander verschließen und den Weg lieber zurück ins kämpferische Mittelalter als in eine versöhnte Zukunft innerhalb der Konfessionen gehen möchten.

Siegbert Keiling, Pfr.i.R.,

München