Alexandra Kemnitzer Eine gewisse Zeit der Recherche hat Ulrich Rampel schon gebraucht, dann wurde er fündig. In Thüringen fand der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins einen Züchter, der ihm für den im Frühjahr geplanten Kükenmarkt Eier der indonesischen Ayam Cemani-Hühner zur Verfügung stellte. Diese kamen Anfang des Jahres in die vereinseigene Brutmaschine. Weil ihn die Tiere so faszinieren, hat Ulrich Rampel nun fünf Ayam Cemani-Hennen und elf Hähne als Blickfang neben anderen Rassen in seiner Zuchtanlage stehen.

Ayam Cemanis - das klingt exotisch. Und das ist es auch. Anders als etwa Blumenhühner, die durch ihr gepunktetes Gefieder auffallen, sticht diese Hühnerrasse wegen ihrer durchgehend schwarzen Färbung ins Auge. Die Tiere sind vom Kopf und den Augen über das Gefieder bis hin zu den Füßen kohlrabenschwarz. "Das ist aber noch lange nicht alles", verrät Ulrich Rampel: Auch Fleisch, Haut und Knochen sind bei dieser Rasse nicht hell, sondern sehen so aus, als ob sie mit Tinte schwarz gefärbt seien.

Wer aber jetzt vermutet, dass auch die Schale der Eier schwarz oder schwarz angehaucht sein muss, liegt damit falsch. Üblicherweise lässt sich bei reinrassigen Hühnern anhand der Ohrscheiben die Farbe der Eierschalen bestimmen. Hat eine Henne rote und nicht weiße Ohrscheiben, legt sie braune Eier. Die Eier der Ayam Cemani hingegen sind cremefarbig, auch wenn ihre Ohrscheiben so schwarz sind wie die Nacht finster.

Da zeigt sich die gute Hausfrau

Während das schwarzgraue Hühnerfleisch bereits in der Trendküche Einzug gehalten hat und von Gourmets geschätzt wird, schreckt die Farbe doch die Mehrheit noch ab. "Das Fleisch hat einen nussartigen Geschmack und ähnelt in der Konsistenz Fasanenfleisch", erklärt Ulrich Rampel. "Wegen der natürlichen Färbung könnte es beim Zubereiten jedoch schwierig werden, zu unterscheiden, ob das Fleisch richtig gebraten oder doch angebrannt ist. Da zeigen sich die Hausfrauenkünste", fügt der Hassenberger augenzwinkernd an.

Der Stamm auf dem Busch

Mit seinem Engagement, ausgefallene und besondere Rassen in der Region bekannt zu machen, leistet Ulrich Rampel Pionierarbeit. Die indonesischen Ayam Cemani entdeckte er bei einer Junggeflügelschau in Hannover. Die außergewöhnliche Hühnerrasse aus Indonesien stellt, was das Futter betrifft, keine großen Ansprüche, sagt Rampel: "Ayam Cemanis sind bei genügend Grün und ausreichend frischem Wasser Selbstversorger." Auch das Krähen der Hähne ist nicht lauter oder häufiger als bei anderen. Dennoch müssen Halter wissen, dass die Tiere flink und schreckhaft sein können, wenn sie noch nicht an Menschen gewöhnt sind. Schließlich handelt es sich bei Ayam Cemanis um Naturhühner, die sich auch von einem zwei Meter hohen Zaun nicht vom Fliegen abhalten lassen, wenn er kein Netz hat. Die Vögel sitzen nämlich gerne auf einem Baum oder Busch und übernachten dort auch. Wenn andere "Stammmitglieder" sehen, dass es sich dort gut aushalten lässt, dauert es meist nicht lange, bis sie sich nach und nach auf den Ästen dazugesellen.

"Die Ayam Cemanis sind nach der Geschlechtsreife sehr brutfreudig und können sich bereits im Alter von sieben Monaten auf das Gelege setzen", erklärt der Züchter weiter. Weil er bisher auf keiner der Schauen im Kreis die Hühnerrasse gesehen hat, wollte Ulrich Rampel ein paar seiner Tiere auf der Kreis- oder Gruppenschau zeigen. Beide mussten abgesagt werden. Soweit ihm bekannt ist, gibt es nur wenige Züchter in der Region, die sich diese besonderen Hühner halten. Demnach wären diese Schauen die ideale Möglichkeit gewesen, die Rasse in der Region weiter bekannt zu machen. "Gerade wir Rassegeflügelzüchter tragen mit unserer Arbeit zur Kulturpflege und zur Erhaltung der vielen Geflügelrassen bei. Eigentlich müssten wir in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen werden", fordert der Hassenberger.