Zum Thema "Ausgangssperre an Weihnachten":

Jetzt reicht's, Herr Söder! So richtig viele der Maßnahmen in der Corona-Krise sein mögen, bei der Ausgangssperre am Heiligen Abend hat der bayerische Ministerpräsident jegliches Augenmaß verloren. Nicht nur, dass den Kirchen ihre Christmetten genommen werden und sich umso mehr Gläubige in den anderen Gottesdiensten drängen, auch in vielen Familien wird der Heilige Abend von unnötiger Hetze geprägt sein.

Ein Beispiel: Ich möchte meine betagten Eltern an Heiligabend zu mir nach Hause holen, Entfernung 20 Kilometer. Das heißt, dass ich meine Eltern um 20 Uhr, kaum dass wir nach Abendessen und Geschenke auspacken zum gemütlichen Teil übergehen wollen, zum Aufbruch drängen muss.

Alte Menschen stehen nicht so schnell auf. Es dauert, bis sie Mantel und Schuhe angezogen haben, zum Auto laufen, sich ins Auto setzen, angeschnallt sind. Zu Hause bei den Eltern dauert es wieder, bis ich sie in ihre Wohnung begleitet habe. Dann renne ich zum Auto, ich muss ja um 21 Uhr daheim sein!

Was soll das? Warum steigt das Infektionsrisiko, wenn ich meine Eltern erst um 22 Uhr nach Hause fahre? Dass Herr Söder jeden Bezug zum normalen Leben verloren hat, zeigt auch seine Aussage, dass der Besuch ja auswärts übernachten kann. Nein, kann er nicht! Alte Menschen schlafen mal nicht eben auf irgendeinem Sofa. Sie brauchen ihre gewohnte Umgebung und ihr eigenes Bett! Herrn Söders blinder Aktionismus führt nur dazu, dass viele betagte Menschen an ihrem möglicherweise letzten Weihnachtsfest zur Hektik gezwungen werden oder womöglich ganz allein zu Hause bleiben müssen. So fördert man die Akzeptanz der Coronamaßnahmen nicht! Ursula Schmidt, Kulmbach