Klaus-Peter Gäbelein

Die Auswirkungen der Reformation, die seit 1516 Deutschland und das restliche Europa erfasste, sind noch heute im Landkreis Erlangen-Höchstadt und in den angrenzenden Landkreisen in allen fränkischen Regierungsbezirken zu spüren.
Mit diesem weitreichenden Ereignis befasst sich auch der Heimatverein und hat die Geschehnisse zwischen 1500 und 1600 zusammengetragen. Der FT dokumentiert in loser Folge und in Ausschnitten den Gang der Reformation in den beiden mächtigsten Städten von damals, Bamberg und Nürnberg, und in ihrem Umfeld, vor allem auch im Raum Herzogenaurach.
Das ausgehende Mittelalter und der Beginn einer neuen Zeit mit Renaissance und Humanismus spiegeln sich zu Beginn der Reformation im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Symbol für beides ist der amtierende Herrscher: Maximilian I., der "letzte Ritter" und der "Vater der Landsknechte" - ein großer Kunstmäzen, Förderer der Wissenschaften und Prunk liebender Humanist aus dem Geschlecht der Habsburger mit weitreichenden Besitzungen und Einflüssen in ganz Europa.


Unruhige Zeiten

So unruhig wie der Herrscher, so zeigte sich das gesamte 16. Jahrhundert: Die Türken wurden zu einer ernsten Gefahr für Reich und Frieden, Naturkatastrophen mit der sogenannten kleinen Eiszeit kündigten sich an, Heuschreckenschwärme und Missernten taten ein Übriges, Bauernaufstände und der große Bauernkrieg von 1525, der zweite Markgrafenkrieg im Herzen Frankens, dies alles stürzte auf die Menschen ein - an Ruhe war nicht zu denken, zumal in der bedeutendsten Stadt im Reich, in Nürnberg, sich das Feuer der Reformation zum Flächenbrand ausweitete.
Rund 28 000 Menschen drängten sich in den Mauern der Nürnberger Innenstadt, und noch einmal 22 000 lebten im Umfeld der Noris. Die Stadt nahm auf allen Gebieten, in Kunst und Wissenschaft, in Wirtschaft, Handel und Handwerk eine führende Rolle im Reich und in Europa ein. Handwerker wie Peter Henlein (Taschenuhr), Martin Behaim mit seinem Globus oder der Goldschmied Wenzel Jamnitzer waren weit über die Grenzen bekannt. Und schließlich trug der Buchdrucker Anton Koberger wesentlich zur Verbreitung der Lutherschriften bei. 42 patrizische Familien bildeten die städtische Oberschicht. Ihr Reichtum stammte meist aus dem Fernhandel mit Venedig, Gent, Brügge, Lyon oder Antwerpen. Daneben war der Besitz von Bergwerken oder die Beteiligung daran eine wichtige Einnahmequelle. Die zahlenmäßig größte Bevölkerungsgruppe war die der Handwerker und Gesellen. Daneben müssen 30 Prozent der Einwohner als Arme betrachtet werden, die durch die zahlreichen Klöster - zehn in der Stadt und vier weitere im Umland - versorgt wurden.
Zahlreiche Künstler und Gelehrte hatten der Stadt um 1500 zu europäischem Ruhm verholfen: Albrecht Dürer, Veit Stoß, Peter Vischer, Adam Kraft, Conrad Celtis, Willibald Pirckheimer und Hans Sachs, der Luther als die "Wittenbergisch Nachtigall" pries. Sie alle prägten das Bild der Stadt, die mit ihren mächtigen Gotteshäusern St. Lorenz und St. Sebald schon sehr früh das Zentrum der Reformation schlechthin wurde.
Eine gebildete Oberschicht hatte in Nürnberg das Sagen, und von den beiden Hauptkirchen aus konnte sich die neue Lehre in Nürnberg rasant ausbreiten, zumal es gelungen war, 1473 bzw. 1513 das Patronatsrecht (und damit die Besetzung der Pfarrstellen) gegen eine Zahlung von 80 000 Gulden vom Bamberger Fürstbischof abzulösen. Damit war der Einsetzung von Geistlichen, die der Lehre Luthers anhingen, Tür und Tor geöffnet, die Stadt war der ideale Nährboden für die rasche Durchsetzung der neuen Lehre - die Reformation in Nürnberg nahm ihren Lauf.
Wichtigster Antreiber war dabei der gebürtige Gunzenhausener Andreas Osiander. Er überzeugte seine Zuhörer von der Notwendigkeit tiefgreifender Reformen des gesamten kirchlichen Lebens und wurde der eigentliche Reformator. Seine mitreißenden Predigten überzeugten den Rat der Stadt, so dass ab Juni 1524 das Abendmahl nur noch in beiderlei Gestalten gereicht wurde.