Eckehard Kiesewetter Ebern —  Müssen medizinische Notfälle künftig grundsätzlich nach Haßfurt? Laut einem Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt, können an den Wochenenden im Dezember und in der Zeit vom kommenden Freitag bis zum Neujahrstag keine Intensivpatienten mehr im Eberner Krankenhaus aufgenommen und behandelt werden. Der Autor des an das Rote Kreuz, die integrierte Leitstelle und alle Notärzte in der Region adressierten Papiers, Chefarzt Ants Lohmus (Innere Medizin), führt dies auf die Personalengpässe in der Wachstation in Ebern zurück.

Das heißt, der Begriff "Wachstation" ist passé: In der Kliniksprache ist heute von der Intermediate-Care-Station (IMC) die Rede. Wie es heißt, gibt es eine Vereinbarung, wonach die Intensivstation in Haßfurt die Patienten aufnehmen soll.

Ein unvorhersehbarer Engpass, eine Panne, bewusste Planung oder gar, wie dem FT zugetragen wurde, ein erster Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Schließung der IMC -Station Ebern? Bei deren feierlicher Eröffnung am Dienstag vor exakt drei Jahren hatte es geheißen, mit dieser Neuerung setzten der Freistaat Bayern und die Haßberg-Kliniken ein Zeichen für die wohnortnahe Versorgung von Patienten auf dem Land. 2, 5 Millionen Euro wurden damals in die Station mit modernem Schwesternnotruf, drei neuen Patientenzimmern für insgesamt fünf Patienten und hohen Hygienestandards investiert.

Hat die moderne Ausstattung womöglich bald ausgedient? Stephan Kolck, Vorstandsvorsitzender des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, holt bei seiner Antwort aus, wird grundsätzlich. Er erinnert an ein Fortführungskonzept für das Krankenhaus in Ebern, welches das Kommunalunternehmen dem Verwaltungsrat im April vorgestellt habe und welches auch so verabschiedet wurde.

Vorwiegend planbare OPs

Danach sei die Chirurgie im Haus Ebern nun zunehmend auf planbare Operationen ausgerichtet. Die Innere Medizin kümmere sich in enger Absprache mit den Hausärzten um Patienten, die ambulant nicht mehr führbar und häufig hochbetagt sind. Für beide Patientengruppen (Chirurgie wie Innere Medizin) benötige man die Überwachungsmöglichkeit, die das Haus mit der Wachstation (IMC) biete. "Das gehört zum Konzept", so Kolck.

"Massiver Engpass"

Bedingt durch Krankheitsausfälle und den Wechsel von Pflegepersonal zu Ausbildungszwecken, räumt der Klinik-Chef ein, "trifft uns aktuell ein massiver Personalengpass".

Das Problem sei hausgemacht und ein Ausdruck mangelnder Wertschätzung, stichelt ein Kritiker an, der seine Nachricht an die Redaktion ironisch mit "Karl Valentin" unterzeichnet, es also vorzieht, anonym zu bleiben. "Mögen hätt' ich schon wollen", hätte der Komiker wohl gesagt, "aber dürfen hab ich mich nicht getraut".

Auf der Wache müsse in jeder Schicht mindestens eine in der Intensivmedizin erfahrene Pflegekraft eingesetzt werden, was im Dezember nicht gewährleistet sei, fährt Stephan Kolck fort. Daher musste "ein Notdienstplan erstellt und die Intensivstation in Haßfurt als Auffangstation einbezogen werden".

Über die Weihnachtswoche werde diese Lösung möglich, so erklärt der Chef des Kommunalunternehmens weiter, da in dieser Zeit nicht operiert wird und daher eine Nachsorgenotwendigkeit entfällt. Für Patienten mit internistischen Krankheitsbildern habe man die Wachstation bei der Rettungsleitstelle und den Notärzten abgemeldet, um zu vermeiden, dass das Haus Ebern mit überwachungspflichtigen Patienten angefahren wird.

Dennoch sei nicht auszuschließen, dass trotzdem Patienten mit derartigen Krankheitsbildern das Haus Ebern aufsuchen. Kolck: "Für diese Fälle haben wir die Intensivstation in Haßfurt darauf eingestellt, Patienten aus Ebern zu übernehmen." Erfreulicherweise gebe es in der Haßfurter Intensivstation aktuell keinen Personalengpass, so dass die Regelung so getroffen werden konnte.

Bald wieder Normalbetrieb

Es soll aber, wie aus Kolcks Antwort zu schließen ist, ein "Notfall" bleiben: "Nach der Weihnachtszeit hoffen wir auf die Rückkehr der erkrankten Kolleginnen, um den Dienst wieder wie gewohnt sicherstellen zu können. Außerdem werden ausgeschiedene Kollegen durch Neueinstellungen ersetzt."