von unserem Redaktionsmitglied 
Rudolf Görtler

Bamberg — Der Austausch von Artigkeiten - die Zeiten, nebenbei, als Künstler sich als widerborstige Bürgerschrecks gerierten, scheinen auch vorbei zu sein - gehört zu einem Vorstellungsabend wie am Dienstag in der Villa Concordia. Die vielen Besucher konnten sich ein erstes Bild machen von den Stipendiaten des 18. Jahrgangs im Internationalen Künstlerhaus, das 1998 eröffnet worden ist. Charmant, mitunter ein wenig provokant moderierte Direktorin Nora Gomringer und entlockte ihren Schützlingen schon einmal das eine oder andere Bekenntnis.
Im Bereich Bildende Kunst gastiert erstmals ein Kollektiv: Jochen Schmith sind Carola Wagenplast, Peter Hoppe und Peter Steckroth. Die marktanalytischen und -kritischen Arbeiten entstehen im "Dialog zu dritt", sagten Steckroth und Hoppe als anwesende zwei Drittel des Trios.
Das auch schon in Oslo ausgestellt hat, was zum Herkunftsland der diesjährigen Villa-Gäste passt: Norwegen. Siri Hermansen interessiert sich für Zeitgeschichte, für die des Zweiten Weltkriegs und hat auch unter dem anspielungsreichen Titel "Chernobyl mon amour" Fotos vom ukrainischen Niemandsland angefertigt.
Ihre Kollegin Vinje Petrine Lillevold will in Bamberg mitgebrachte Werke fertigstellen.
Zwei schon sehr bekannte deutsche Autoren sind zu Gast in der Villa: Christoph Poschenrieder schrieb mit "Die Welt ist im Kopf" einen unterhaltsamen, doch nicht flachen Roman über den jungen Arthur Schopenhauer. Im Spätsommer wird sein neuer Roman "Mauersegler" erscheinen, eine Art Remake des Stevenson'schen Selbstmörderclubs. Der 1964 geborene Schriftsteller bekannte mit entwaffnender Ehrlichkeit, nach dieser Anstrengung erst einmal eine "Abhängephase" einlegen zu wollen. Gunther Geltinger, geb. 1974 in Unterfranken, hat mit "Moor" einen von der Kritik gefeierten Roman geschrieben. Martin Beyer hat ihn bereits als "Tandem-Schreiber" für seine Veranstaltungsreihe "Bamberg liest" gewonnen.
Torild Wardenær
ist eine sehr produktive Lyrikerin, die mit "psi" einen großformatigen, schön gestalteten Gedichtband veröffentlicht hat. Mit ihrem Projekt "land art" will sie Texte in Bezug zur Landschaft setzen.
Einen recht buntscheckigen Lebenslauf hat der 60-jährige Vange Arild hinter sich, der in Punk- und New-Wave-Bands sang, bevor er eine Karriere als Übersetzer (von u. a. Trakl, Kafka, Waterhouse) und Lyriker einschlug. Arild wies auf die für Deutsche überraschende Tatsache hin, dass in Norwegen zwei Sprachen quasi koexistieren: einmal Nynorsk ("Neunorwegisch"), zum anderen die Verwaltungssprache Bokmål.
Zu den Komponisten des aktuellen Jahrgangs zählt Philipp Maintz, 1977 geboren. Er ist in den verschiedenen Genres seines Metiers unterwegs, hat mit dem Ensemble Modern und den Berliner Philharmonikern gearbeitet. In Bamberg will er "kleinformatigere", kammermusikalische Werke komponieren. Besonders reizt ihn jedoch, einmal eine Messe zu schaffen.
Evan Gardner komponierte die Musik zu dem Kurzfilm "Sniffer", der in Cannes eine Goldene Palme gewann. Gardners Oper "Die Unterhändlerin" wurde im vergangenen Jahr in Berlin uraufgeführt, wo er auch lebt, und in Bergen und jetzt Bamberg.
Iris ter Schiphorst, 1956 geboren, ist eine wahre Crossover-Künstlerin. Nach einer klassischen Piano-Ausbildung arbeitete sie auch als Schlagzeugerin und Keyboarderin in Rockbands. In Bamberg will sie die "ruhige und unbelästigte" Atmosphäre nutzen für kleine Orchesterstücke. Und für die Musik zu "Dr. Faustus lights the lights" von Gertrude Stein, das am hiesigen E.T.A.-Hoffmann-Theater am 17. Juni 2016 Premiere hat. Ein weiterer, an diesem Abend nicht anwesender Stipendiat im Bereich Musik ist Trond Reinholdtsen.
Das Bamberger Publikum wird in den kommenden Wochen und Monaten Gelegenheit bekommen, die Stipendiaten und ihr Werk bei diversen Veranstaltungen kennen zu lernen.