Das Heimatmuseum in Ebern ist erneut Teil des unterfränkischen Museumsnetzwerkes rund um das Projekt "Kunst geht fremd". Dabei tauschen 16 Museen aus dem Bezirk Unterfranken je ein Objekt aus ihrer Sammlung mit einem anderen Museum, in dem es dann als "Fremdgänger" in einer ungewohnten Umgebung präsentiert wird.

Wenn Kunst Farbe bekennt, dann muss sie nicht nur bunt und fröhlich sein, sondern sie kann auch Haltung zeigen und eine Meinung vertreten. Vielleicht konfrontiert sie die Betrachter dabei mit Unliebsamem, vielleicht verführt sie aber auch zum Genuss. Mit diesen Gedanken laden 16 unterfränkische Museen noch bis 8. November dazu ein, Kunst in anderen, fremden Zusammenhängen zu sehen, neue Museen zu entdecken und auf diese Weise einmal ganz Unterfranken in voller Farbenpracht zu erfahren. Auch das Heimatmuseum Ebern ist Teil dieses Museumsnetzwerkes, wie es dieser Tage mitteilte.

Gleichzeitig wird das zehnte Jubiläum des Netzwerks "Kunst geht fremd" gefeiert. Einen Rückblick gibt es auf der Homepage www.kunst-geht-fremd.de, und auch die Begleitveranstaltungen werden dort veröffentlicht, sofern sie in Zeiten von Corona stattfinden können.

Die Übergabe des Eberner Exponats fand vor knapp zwei Wochen im Knauf-Museum Iphofen statt. Dort trafen sich der Iphöfer Museumsleiter Markus Mergenthaler, Hermann Neubert vom Museum Miltenberg und Stefan Andritschke vom Heimatmuseum Ebern zum Austausch der Exponate.

Aus Iphofen nach Ebern

Bei "Kunst geht fremd" kommen sich Iphofen und Ebern näher. Im Heimatmuseum Ebern wird bis 8. November eine Skulptur aus dem Knauf-Museum Iphofen zu sehen sein. Das kleine "Liegende Nilpferd" wurde dort gut verpackt und hat danach seine Reise ins Heimatmuseum Ebern angetreten.

Bei dem kleinen Objekt handelt es sich um eine Nilpferdfigur aus blaugrün glasierter Fayence. Solch glasierte Keramik zählt zu den ältesten, künstlich hergestellten Materialien der alten Ägypter. Sie verwendeten bereits vor etwa 4000 vor Christus verschiedenfarbige Glasuren und überzogen damit Stein- und vor allem Ton-Objekte. Mit Fayence stellten die alten Ägypter einen Großteil ihres Schmucks her.

Nilpferdfiguren aus Fayence hatten hingegen eine andere Funktion. Sie wurden häufig als Grabbeigaben verwendet. Besonders typisch sind die aufgemalten Wasserpflanzen, die an den Lebensraum der Tiere erinnern. Gemeinsam mit der blaugrünen Glasur stehen sie für das mythologische Urgewässer, aus dem der Verstorbene seine ewige Wiedergeburt erwartet.

Eine Doppelfunktion

Darüber hinaus sollten die Figuren den Verstorbenen vor bösen Mächten schützen. Hier zeigt sich eine Doppelfunktion von gefährlichen Tieren. Sie wurden sowohl von den Menschen gefürchtet als auch verehrt. Durch ihre Kraft und Macht waren sie dazu fähig, den Menschen Furcht und Schrecken einzujagen, aber auch böse Geister zu vertreiben.

Bei der in Ebern ausgestellten Skulptur handelt es sich um eine Replik aus Gips. Das Original befindet sich in der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst in München.

Aus dem Heimatmuseum Ebern ging eine Fahne des "Radfahrer-Verein Ebern von 1895" auf die Reise in die Museen der Stadt Miltenberg. Die Fahne stammt, gemäß zeitgenössischer Berichterstattung, aus der in München ansässigen "Kunststickereianstalt" Marie Auer, die sich durch ihre hervorragenden Stickereiarbeiten einen Namen geschaffen und sich zur größten Fahnenstickerei Bayerns entwickelt hatte. Die Fahne wird im Museum Miltenberg im Saal mit Bildern des Malers Philipp Wirth (1808 bis 1878) ausgestellt. Mit ihrem farbigen Naturmotiv bildet sie Kontraste zu den eher nüchternen Porträts des Malers. red