Am 8. Dezember 1903 wurde die Martin-Luther-Kirche zu Lichtenfels mit einem Festakt ihrer Bestimmung übergeben. In Erinnerung an dieses Ereignis vor nunmehr 113 Jahren feiert die evangelische Gemeinde alljährlich am 2. Advent Kirchweihe. Doch in diesem Jahr bestimmte die Corona-Pandemie das Festgeschehen.

Gemäß den strengen Auflagen zur Einhaltung der Hygienevorschriften versammelte sich die Gemeinde in der Kirche, um unter Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands zwischen den Besuchern der Einweihung des Gotteshauses zu gedenken. Pfarrerin Anne Salzbrenner nahm den Nikolaustag zum Anlass, um in einem Familiengottesdienst das wohltätige Wirken des Bischofs nachzuzeichnen.

Kinder als Herzensanliegen

Nikolaus von Myra wurde um die Jahre 280/286 in Patara in der Küstenregion Lykien in der heutigen Türkei geboren. Als Abt eines Klosters war ihm die Sorge um die armen Menschen und insbesondere um die Kinder der Stadt ein Herzensanliegen. In einer Hungersnot wurde die Stadt Myra zum Leidwesen der Bevölkerung auch noch von Piraten heimgesucht, die die Kinder als Geiseln nahmen, um angeliefertes Getreide zu erpressen. Doch Nikolaus tauschte sie gegen das Gold der Stadt und sicherte somit das Wertvollste der Menschen. Nach den Worten der Pfarrerin zeigt diese Legende, wie wichtig es im Leben ist, zusammenzuhalten. Wenn die Menschen auch heute in Zeiten der Corona-Pandemie zusammenstehen und einander unterstützen, brauche es auch in dieser schwierigen Zeit nicht bange um die Zukunft sein.

Um die Zukunft der Kirchengemeinde Lichtenfels ging es schließlich auch bei der Wahl des neuen Jugendausschusses. Pfarrerin Anne Salzbrenner führte Jan Robisch, Julia Gick, Daniel Wedel und Simon Schwarz in ihr neues Amt ein und segnete sie. Neben diesem erfreulichen Ereignis musste Anne Salzbrenner auch Trauriges verkünden. Pfarrer Dietmar Graffenberger, der vor 25 Jahren seinen Dienst in der Gemeinde Lichtenfels begonnen hatte, ist Anfang November nach langer schwerer Krankheit im Alter von 62 Jahren verstorben.

Nachdem Pfarrerin Salzbrenner im Gottesdienst das Leben des heiligen Mannes aus Myra gewürdigt hatte, erwartete nach der Feier ein lebensechter Nikolaus die Kleinen im Kirchhof und überraschte sie mit kleinen Geschenken. Ihren Abschluss fand die Kirchweih am späten Nachmittag mit einer Orgelvesper in der Martin-Luther-Kirche. Dazu brachte Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann fünf Bearbeitungen des Chorals "Nun komm, der Heiden Heiland" zu Gehör. Der ursprünglich lateinische Text des Ambrosius - "Veni redemptor gentium" - ist Teil seines umfangreichen liturgischen Hymnenschaffens und umfasst acht Strophen mit je vier achtsilbigen Zeilen. Ambrosius, der im 4. Jahrhundert gelebt hatte, betont in immer neuen Wendungen und mit zahlreichen Psalmzitaten die gott-menschliche Doppelnatur des Erlösers, die sich in der Geburt aus der Jungfrau gleich am Anfang seines Erdenwegs manifestiert. Pfarrerin Anne Salzbrenner brachte zwischen den Orgelvorträgen Texte aus dem Alten und Neuen Testament zu Gehör, in denen die Herrlichkeit des Herrn gepriesen wird. Mit einem Segenswunsch schloss die Pfarrerin diese besinnliche Kirchweih. jhw