Charlotte Wittnebel-Schmitz Nico Rogge arbeitete als Polizeibeamter für die Bundespolizei, bevor er Bürgermeister wurde. Mit ein paar Bekannten wollte er im Dezember 2015 ein Fußballspiel des FC Liverpool in England besuchen. Er organisierte die Fahrt und kaufte Eintrittskarten fürs Spiel. Diese bestellte er für rund 1000 Euro über eine englischsprachige Internetseite. "Ich war mir ganz sicher, dass ich mich gut auskenne. Die Seite wirkte seriös. Ich dachte, was soll da passieren."

Der Plan: Die Karten sollten ans Hotel geschickt werden. Als die fünf Fußballfans im Hotel ankamen, waren keine Karten für sie hinterlegt.

Der Tag des Spiels kam, aber es fehlten weiterhin die Karten. "In dem Moment war ich total geplättet und wollte es nicht wahrhaben. Das war wirklich eine unangenehme Situation - das gebe ich gerne zu", sagt Nico Rogge im Rückblick. Das Hotel habe keine Schuld getroffen. Die Freunde seien cool geblieben, kein böses Wort sei gefallen - trotz des unangenehmen Erlebnisses.

Dann die überraschende Wendung: "Wir hatten Glück im Unglück." An der Kasse erhielt Nico Rogge tatsächlich noch Stammplatzkarten von Fans, die diese zurückgegeben hatten. Zu seiner Erleichterung gab es die Karten zu einem "sehr vernünftigen Preis".

Zurück in Deutschland brachte er den Fall zur Anzeige. Da es sich um eine Auslandsstraftat handelte, verkomplizierte das die Strafverfolgung. Weil Rogge den Kauf der Karten über eine Visa-Karte vorgenommen hatte, griff das Mittel der Beweislastumkehr. Er und seine Bekannten bekamen fast das gesamte Geld - bis auf geringfügige Abrechnungsgebühren - zurückerstattet.

Bis heute ist er unsicher, woran er den Betrug hätte erkennen können. Der Aufbau der Seite wirkte auf ihn vertrauenswürdig. Es gab ein Impressum und eine Telefonnummer. "Ich habe dort 50 Mal angerufen, aber nie ist jemand drangegangen."

Der Vorfall habe ihm die Augen geöffnet, im Internet sehr vorsichtig zu sein. "Es darf sich niemand zu sicher sein." Er rät: "Nicht alles schnell, schnell machen." Im Nachhinein vermutet er, dass er nicht auf den Betrug reingefallen wäre, wenn er sich mehr Zeit beim Bestellprozess genommen hätte.

Menschen, die nicht so oft im Internet unterwegs sind, rät er, sich Hilfe oder Tipps zu holen. "Man kann die Kinder oder Enkel um Rat fragen."

Riskant sei es, wenn man das Geld etwa bei einem Kauf auf eBay schon im Voraus überweise. Da sei es besser, Plattformen wie PayPal zu nutzen, um sich abzusichern. Mit gesundem Menschenverstand solle man prüfen, ob der Preis für die gewünschte Ware realistisch sei.

Als Polizeibeamter weiß er, wie wichtig es ist, darüber zu sprechen. "Es fällt mir selbst nicht leicht. Aber man muss über seinen Schatten springen und darüber reden."

Oftmals dächten die Leute, es sei übertrieben, die Polizei zu rufen. "Aber das ist es nicht. Man erleidet nicht nur einen persönlichen Schaden, sondern man hilft auch den Straftätern, wenn man schweigt." Je mehr die Polizei wisse, desto besser könne sie Systematiken erkennen und dem Betrugsfall nachgehen. Er geht davon aus, dass fast jeder Mensch in seinem Leben schon einmal betrogen wurde. Aber nicht immer werde der Betrug bemerkt.