Zum Artikel "Götterdämmerung" vom 20.10.: Eine ganze Seite hat der FT diesem Thema gewidmet und erörtert die Frage "Wann übernehmen katholische Bischöfe Verantwortung und treten zurück?". Ein seit Jahren aktuelles Thema (Missbrauchsfälle und das Versagen der katholischen Kirche im Umgang mit diesen Missbrauchsfällen) wird an exponierter Stelle auf Seite 2 behandelt, und es wird nichts beschönigt. Für diese ausgezeichnete Reportage von Herrn Wirsching gebührt dem FT Respekt und Dank.

Ich bin stark an die drei japanischen Affen erinnert: "Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen". Und was hört man im katholischen Bamberg dazu: nichts! Vielleicht rüttelt der Artikel ja die Herren (wo sind die Frauen?) endlich auf! Und der Artikel im FT zeigt ganz deutlich, wie lange diese schrecklichen Taten schon bekannt sind und vertuscht werden. Und niemand tritt zurück und ist bereit, Verantwortung zu tragen.

Solange das Reichskonkordat von 1933 als ein staatskirchenrechtlicher und völkerrechtlicher Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich noch Gültigkeit besitzt, insbesondere mit dem Artikel 9 ("Geistliche können von Gerichtsbehörden und anderen Behörden nicht um Auskünfte über Tatsachen angehalten werden, die ihnen bei der Ausübung der Seelsorge anvertraut worden sind und deshalb unter die Pflicht der seelsorgerischen Verschwiegenheit fallen"), werden sich die Bischöfe dahinter verstecken und sich der Justiz entziehen können.

Viele können das nicht verstehen und auch viele Katholiken können sich mittlerweile mit dieser Kirche nicht mehr identifizieren. Nicht zurückgetreten - aber ausgetreten: Wie die deutsche Bischofskonferenz mitteilt, sind 272 771 Katholiken in 2019 in Deutschland aus der Kirche ausgetreten - also knapp 750 pro Tag. Und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, sagt: "Die Kirchenaustrittszahl zeigt, dass die Entfremdung zwischen Kirchenmitgliedern und einem Glaubensleben in der kirchlichen Gemeinschaft noch stärker geworden ist."

Ist das bei dieser selbstherrlichen, patriarchalischen und frauenfeindlichen Kirche und diesen Bischöfen ein Wunder?

Dr. Eberhard Frenzel

Bamberg