E ine wichtige Zeugin des christlichen Evangeliums ist Martha. Ihren Gedenktag haben wir in diesen Tagen gefeiert. Aus ihrer Geschichte können wir einiges lernen.

Als Jesus bei Martha einkehrte, eilte sie geschäftig hin und her, während ihre Schwester Maria sich zu Jesus setzte und ihm zuhörte. Daraufhin forderte Martha ihn energisch auf, Maria ins Gewissen zu reden, und wurde dafür auch nicht getadelt. Wir Christen dürfen unsere Anliegen durchaus selbstbewusst vortragen.

Jesus würdigte zwar Marthas Fleiß - und was wären wir ohne die Martha-Typen, die in Familie, Verein und Kirche den Laden am Laufen halten! Freilich stellte Jesus aber Maria als Vorbild hin, denn erst sollen wir zuhören, dann handeln. Das gilt für die Beziehung von Mensch zu Mensch, aber auch im Verhältnis zu Gott.

Als Lazarus im Sterben lag, kam Jesus bewusst zu spät. Martha, seine Schwester, eilte Jesus entgegen. Sie zog sich also nicht verbittert in ihr Schneckenhaus zurück wie viele Trauernde. Sie wiederholte das übliche Bekenntnis zur Auferstehung der Toten.

So ist es wichtig, dass bei Beerdigungen die altvertrauten Gebete gesprochen, die schönen Lieder der Kirche gesungen werden. Sie bringen die Aufgewühlten zur Ruhe und stärken das Gottvertrauen. Doch sollten wir nicht in Floskeln und Ritualen steckenbleiben. Martha rang sich durch, bekannte sich persönlich zu Christus als dem Herrn über Leben und Tod. Der schmerzhafte Prozess der Trauer wurde für sie zum Segen, öffnete ihre Augen für das, was wirklich zählt, nicht irdische Geschäftigkeit, sondern das unbedingte Vertrauen in Jesus Christus.

Wie er Lazarus schließlich zu neuem Leben auferweckte, wird er es einmal auch mit uns tun, und die Freude darauf verwandelt schon heute unser Leben, wenn wir es nur zulassen.

Christian Fuchs, geboren 1966 in Neustadt/Aisch, hat in Neuendettelsau evangelische Theologie studiert, war dann Vikar in Schornweisach und Vestenbergsgreuth. Von 1996 bis 1999 war der Doktor der Theologie Pfarrer in Nürnberg, seit 1999 hat er die Pfarrstelle in Neustadt/Aisch inne.