VON Markus Schütz

Hallstadt — "Ich war vor zwei, drei Wochen kurz davor, das Handtuch zu werfen", gibt der Hallstadter Trainer Thorsten Neumohr zu, der darüber hinaus auch Mitglied der Vorstandschaft des Traditionsvereins ist. Mit dem sportlichen Abschneiden allerdings - der SVH ist Neunter der Kreisklasse 1 - hat dies allerdings wenig zu tun. Die Situation um eine drohende Insolvenz hängen wie ein Damoklesschwert über dem SV Hallstadt. Vor Jahrzehnten entstandene Schulden und der schleppende Fortgang des geplanten Verkaufs vereinseigener Gebäude zur Rettung (siehe Bericht im FT vom Dienstag) schlagen Neumohr aufs Gemüt. In Zahlen: es geht um etwa 350 000 Euro.
"Die Situation ist sehr, sehr gefährlich", betont Neumohr und ergänzt: "Es geht um die Existenz unseres mittlerweile 93 Jahre alten Vereins! Seit zweieinhalb Jahren versuchen wir, das Objekt zu verkaufen, weil die laufenden Kosten nicht mehr zu stemmen sind", erklärt der 40-Jährige die Probleme mit den Gebäuden, die Mitte/Ende der 80er Jahre in der sportlichen Hochphase des Vereins mit langjähriger Landesliga-Zugehörigkeit entstanden sind. "Uns steht im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser bis zum Hals, und wir sind nun absolut darauf angewiesen, dass die Stadt, die ein Erbbaurecht hat, dem Verkauf endlich zustimmt. Das würde die Schulden auf ein erträgliches und stemmbares Maß verringern."
Die Stadt in Person von Bürgermeister Thomas Söder, deutete in dem FT-Artikel eine eventuelle Lösung in absehbarer Zeit an, da schließlich das Bestreben vorhanden sei, den SV Hallstadt zu retten. Söder verwies aber auch auf die Verantwortung, mit Steuergeldern vernünftig umgehen zu müssen.
"Ich bin seit 32 Jahren im Verein und investiere seit Jahren 20 bis 40 Stunden meiner Freizeit pro Woche für den Fußball. Aber diese Ungewissheit, die seit etwa zwei Jahren über einem schwebt, hat mir fast den Spaß daran genommen", so Neumohr. "Aber hinzuwerfen, das würde dem Verein ja auch nicht helfen", stellt er fest, dass ihm der SV Hallstadt, vor allem aber auch seine Fußballer in der "Ersten" und in den Schülermannschaften zu sehr ans Herz gewachsen sind, als dass er sich aus der Verantwortung ziehen könnte. "Wenngleich mir in den letzten Monaten die Freude schon ziemlich abhanden gekommen ist", drückt er seinen Unmut über die Situation aus.
Erfreulich im Hinblick auf die Probleme des Vereins ist die Tatsache, dass der SV Hallstadt sich momentan nicht auch noch mit sportlichen Sorgen herumplagen muss. Bei 21 Punkten nach 16 Spielen beträgt der Vorsprung auf den ersten Schleuderplatz immerhin sieben Punkte. "Ganz zufrieden bin ich nicht mit dem Tabellenstand, unser Ziel war es eigentlich, uns hinter den Favoriten auf dem sechsten oder siebten Platz einzureihen", erklärt der Hallstadter Trainer. "Allerdings haben wir ganz einfach zu viele Punkte leichtfertig verschenkt", weiß Neumohr. Womit er zufrieden sei, ist die Entwicklung der jungen Mannschaft, in der zahlreiche Spieler aus dem eigenen Nachwuchs stünden.
"Auch wenn es schwer ist: wichtig ist, dass wir bei Training und Spiel die Probleme einfach wegdrücken", so der Trainer Neumohr. Der Vorstand Neumohr hofft, dass die Ungewissheit um die Zukunft seines Heimatvereins bald ein positives Ende finden wird.