Wochenende. Temperaturen über 30 Grad im Schatten. Eigentlich sind alle im Freibad oder im Kühlen, doch vor der alten Gössmannsreuther Schule stehen Autos. Eins davon hat ein Münchner Kennzeichen. Es gehört Andreas Winterling. Heute arbeitet er als Unternehmensberater in der Landeshauptstadt. "Ich bin selbstständig. Alles ist gut", sagt er. "Ja, ja, aus uns ist was geworden. Wer hätte das gedacht?", lacht Christian Haller, Ingenieur für Anlagentechnik.

Christian Haller könnte sich heute noch darüber amüsieren, wenn die Jungs mit ihrer Lockerheit und mit der eigenmächtigen Verlegung des Unterrichts ins "Casa" früher Lehrer zur Weißglut gebracht haben.

Das dritte Gründungsmitglied im Bunde ist Gregor "Gogo" Zech. Er verdient seine Brötchen als Augenoptiker. Die Drei kannten sich vom MGF. Andreas Winterling und Christian Haller sind später an die FOS/BOS in Kulmbach gewechselt. Dass sie jetzt zum 50. Schuljubiläum mit der Band spielen sollen, freut die beiden besonders. Sie haben sich vorgenommen, dass der Auftritt perfekt werden soll: rockig, fetzig, musikalisch pointiert, mit Soli, die sich hören lassen können. Jeder soll am 9. Juli staunen, wozu die Haie fähig sind. "Deshalb proben wir auch richtig intensiv", merkt Andi Winterling an. Dass er dazu jedes Wochenende von München anreist, stört Winterling nicht. Er ist Idealist. Der Spaß zählt.

Erinnerungen an manchen Streich

Die Gössmannsreuther Schule ist seit vielen Jahren Heimstatt der Band. "Die Göstrufa ist ideal. Aber wir sind auch innerhalb der Göstrufa schon umgezogen - jetzt sind wir ganz nah beim Direktorat", lachen die Bandmitglieder und erinnern sich gerade angesichts der Schuljubiläumsfeier an so manchen Streich, den sie den Paukern gespielt haben.

75 Quadratmeter ist das Reich der Haie groß. Vier Schlagzeuge, unzählige Verstärker und technisches Equipment, das sich sehen lassen kann, sind hier untergestellt. Die Wände sind mit schwarzen Laken verhängt. Der Akustik wegen. In der Göstrufa darf es ruhig mal laut werden. Die Bands können auch am Wochenende bei offenen Fenstern proben. Hier stört es niemanden. In der Nähe ist lediglich ein Ferkelstall, ein Silo. Sonst nichts. "Es ist gar nicht so einfach, geeignete Räume zu finden", wird Christian Haller ernst. Für die Sharks wäre es vielleicht noch möglich, doch für die jungen, punkigen Gruppierungen wäre das in Kulmbach kaum zu meistern. Praktisch ist, dass ein Putzdienst in der alten Schule für Ordnung sorgt und dass noch ein Getränkeautomat und alles, was eine Band so braucht, vorhanden ist.

Tatsächlich hat die Band schon viele Probenräume in Kulmbach und Umgebung genutzt. Erst traf man sich in einem alten Schuppen - privat in der Karl-Jung-Straße. "Ich bin ja erst drei Jahre später dazugekommen. Mich hat der Christian Haller im ,Casa' angesprochen", berichtet Matthias Melzer.Der Saxofonist erinnert sich noch haargenau, dass sich die Band einige Jahre in der alten Strumpffabrik traf: Vestrufa - Vereinigte Strumpffabriken - genannt. "Da war die Stimmung auch gut", findet Melzer. "1994 sind wir dann in die Göstrufa umgezogen. Aber auch innerhalb des Gebäudes waren wir schon in mehreren Zimmern", erklärt Andi Winterling.

2014 wäre der Spaß fast vorbei gewesen. An einem Sonntagnachmittag im Oktober brannte ein Klassenzimmer im oberen Stockwerk der Schule aus. Sachschaden: 30.000 Euro. 190 Feuerwehrleute waren vor Ort, um ein Übergreifen des Feuers aufs Dach zu verhindern. Fast wäre alles schiefgegangen und das Gebäude wäre nicht mehr zu retten gewesen. "Das Feuer brach nicht bei uns aus, sondern im gegenüberliegenden Trakt. Aber es war lange unklar, was mit dem alten Schulhaus passieren soll", erinnert sich Winterling noch.

Für die Band brachen bange Wochen und Monate an. Es war unklar, ob das Schulhaus gesperrt oder soweit wieder instand gesetzt wird, dass die Bands und dass Vereine hier eine Heimat finden würden. Dann zapfte der ehemalige Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm ein Förderprogramm für die "Kulturschule" an und konnte das Haus sanieren. 200.000 Euro wurden investiert, auch in verbesserten Brandschutz, in eine moderne Heizung und Lüftung.

Miete ist erschwinglich

"Inzwischen proben hier bestimmt dreißig Bands oder mehr. Die Miete ist erschwinglich", sagt Winterling. Die Musiker sind noch heute dankbar und genießen das Flair der alten Schule.

"So, jetzt aber mal los", gibt Andreas Winterling das Kommando. Christian Haller setzt sich am Mikro zurecht und lässt seine unverkennbare Stimme röhren. Dann setzt Gregor Zech mit einem Solo an, weitere folgen. Die Original-Haie Andi Winterling (Schlagzeug), Christian Haller (Gesang) und Gregor Zech (Gitarre) haben es nicht verlernt. Sie sind noch genau so gut drauf wie eh und je, auch wenn sie die fünfzig schon überrundet haben. Außerdem gehören Tom Vogler (Gitarre), Robert Maier (BasS) und Matthias Melzer (Saxophon) zur Rockband.