Die Stromtrasse P44 mod ist nicht vom Tisch. In Neunkirchen am Sand fand ein Treffen von Bürgermeistern und Vertretern von Bürgerinitiativen (BIs) gegen Stromtrassen statt. Neunkirchen am Brand wurde durch Dritten Bürgermeister Andreas Pfister vertreten. Damit wurde der Grundstein für ein Bündnis von betroffenen Gemeinden gelegt, zu dem sich die Kommunen entlang der geplanten Trasse mit dem Projektnamen 44 mod (mod steht für modifiziert) zusammenschließen.


Für dezentrale Energiewende

Der Bedarf dieser Leitung wird grundsätzlich bezweifelt, für die Energiewende bedeute sie keinen Nutzen, sondern konterkariere den dezentralen Charakter der erneuerbaren Energien, stellten die Teilnehmer fest. Ziel könne es deshalb nicht sein, eine Alternativroute für den Verlauf der Stromleitung zu finden, sondern sie zu verhindern, um eine bezahlbare, dezentrale Energiewende zu ermöglichen.
"Die Bevölkerung weiß gar nicht, was wirklich auf sie zukommt", so die einhellige Meinung von Bürgermeistern und Bürgerinitiativen. Laut Netzentwicklungsplan sei die Aufrüstung der bestehenden Leitung auf 380 Kilovolt weiterhin im Gespräch. Die Leitung P44 mod ist Teil einer Netzplanung, die nach Aussagen von Netzbetreiber Tennet unmittelbar bedingt ist durch den Bau der Süd-Ost-Gleichstromtrasse. Dieser verstärkte Netzausbau führt dazu, dass in zahlreichen Gemeinden große Unsicherheit herrscht. Die Leitung P44 mod geht von Altenfeld in Thüringen über Würgau in Oberfranken bis nach Ludersheim im Nürnberger Land. Sie führt in vielen Orten der Region direkt über oder sehr nahe an Wohngebieten vorbei und wird mit neuen, über 70 Meter hohen Masten versehen.
Ziel des Treffens war es, dass sich noch mehr Betroffene diesem neu gegründeten Bündnis gegen die Stromtrasse P44 mod anschließen. Dabei sind die Gemeindeoberhäupter angesprochen, aber auch engagierte Bürger sind willkommen, wenn sie sich gegen einen überdimensionierten Netzausbau und für die Stärkung einer bezahlbaren Energiewende vor Ort und der Erzeugung von sauberem Strom einsetzen wollen.
Die offene und konstruktive Diskussion ergab einhellig, die Kritik müsse sich gegen ein fehlgeleitetes Gesamtsystem richten, das der Energiewende zuwiderlaufe, nicht allein gegen einzelne Trassen. Denn das Thema Netzausbau ist viel komplexer, als es in der Bevölkerung oft wahrgenommen wird. Bürgermeister Klaus Falk aus Ottensoos stellte die eindringliche Frage: "Wollen wir wirklich zum Drehkreuz Europas für die Stromverteilung werden?"
Es sei belegt, so die Übereinstimmung von Bürgermeistern und Initiativen, dass es beim Netzausbau verstärkt um den Export von überschüssigem Kohlestrom und um lukrative Renditen für Investoren gehe.
Obwohl laut den Bürgerinitiativen der Bedarf für den massiven Netzausbau nie belegt worden ist, werde nur noch darüber gesprochen, wie man die Leitungen der Bevölkerung schmackhaft machen könne. Es sei absehbar, dass dies zu einem erneuten Aufflammen der Proteste führe.
Das nächste Treffen des Bündnisses ist für Mittwoch, 5. Oktober, geplant. Mehr auf der Homepage des Aktionsbündnisses gegen die Süd-Ost-Trasse www.stromautobahn.de. red