Christiane reuther Mit offenen Armen und Herzen hat die evangelische Kirchengemeinde Haßfurt Pfarrer Johannes Ziegler aufgenommen. Der Dekan Jürgen Blechschmidt führte den neuen Pfarrer während des Gottesdienstes am Sonntagnachmittag im Pfarrgarten in sein Amt ein. Gemeinsam mit Pfarrerin Sabine Hopperdietzel, die die erste Pfarrstelle besetzt, und Pfarrer Mátyás Beke, der einen begrenzten Dienstauftrag in der Kirchengemeinde hat, teilt sich Pfarrer Ziegler die Arbeit in der Christuskirche. Der gebürtige Augsburger besetzt die vor eineinhalb Jahren vakant gewordene halbe Stelle in Haßfurt.

"Zeichen der Liebe"

"Es ist an der Zeit, dass unser Herz gepflügt wird. Nicht um Wildnis in einen englischen Rasen zu verwandeln, sondern damit wir in dieser Welt ein Zeichen der Liebe Gottes sein können." Bezugnehmend auf das biblische Wort des Propheten Hosea: "Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt", stellte Pfarrer Ziegler den Pflug, dessen es in früheren Zeiten in der Landwirtschaft zum Pflügen, Säen, Pflegen und Ernten bedurfte, in den Mittelpunkt seiner Predigt. Dafür hatte sich Ziegler einen historischen Pflug von einem Landwirt aus Schwebheim, seiner vorherigen Pfarrstelle, geborgt.

"Macht ein verwildertes Land urbar", der Urtext des Propheten treffe nicht so ganz auf Haßfurt zu, sagte der neue Pfarrer schmunzelnd. Vielmehr sei die von Ziegler bezeichnete "fränkische Toscana" sehr schön, strahle aber auch eine gewisse Wildheit aus. "Ein Ort, an dem die Wildheit der Schöpfung spürbar ist", beschrieb der Pfarrer.

Freude und Schmerz

Der Pflug müsse in den Herzen der Menschen zum Einsatz kommen, wo Erlebnisse Gefühle auslösen, die die Freude oder den Schmerz empfindbar machen. Wie Hosea ermutigte der Pfarrer, "bei dem, der das Leben erfunden hat, Einkehr zu halten". Dafür hatte Ziegler auch eine Gebrauchsanweisung des Landwirts an die Hand bekommen: "Das Pflügen mit dem Handpflug erfordert die volle Aufmerksamkeit". In einer Zeit, in der Multitasking gefragt ist, müsse jeder einzelne aufpassen, dass er sich nicht überfordert. Auch Gott wünsche sich die ganze Aufmerksamkeit, da es ihm um Gerechtigkeit und um das Heil der Menschen gehe.

Pfarrer Ziegler durfte seit seinem Amtsantritt am 1. Juli bereits erfahren, dass es viele Mitarbeitende in der Kirchengemeinde gibt. Die seien wichtig, um im Bild des Pfluges zu bleiben: "Nur mit meiner eigenen Kraft komme ich kaum voran".

Mit Hoffnung müssten die Menschen ihre Herzen pflügen, dann sorge Gott für Wachstum und Gedeihen. "Wir glauben an einen Gott, der Wunder tut und dass dieser Gott an uns glaubt", so Pfarrer Ziegler.

Wunder gehören laut Pfarrer Ziegler nicht nur der biblischen Zeit an, sondern geschähen auch heute noch. Dass junge Menschen in ihrem Herzen die Sehnsucht nach Gottes Nähe spüren, ist laut Pfarrer ein Wunder. Dafür nahm der musikalisch talentierte Seelsorger die Geige in die Hand und spielte, begleitet von zwei Jugendlichen aus der Kirchenband, die er in Schwebheim gegründet hatte, einen Song des Liedermachers Samuel Harfst, der in seinem Liedtext das Thema Wunder aufgegriffen hat.

Offizielle Übergabe

Zuvor übergab Dekan Jürgen Blechschmidt die offizielle Urkunde, vorgelesen von Pfarrer Peter Hohlweg (Königsberg), an Pfarrer Johannes Ziegler. Der Dekan griff den Satz auf: "Wir gehören alle zusammen". Es ist aus Sicht des Dekans ein beruhigender Satz, um sich gehalten zu wissen im Netz der Beziehung.

Blechschmidt freute sich, dass seit 1. Juli das Team in der evangelischen Kirchengemeinde mit Pfarrer Johannes Ziegler wieder komplett ist, um die Frohe Botschaft in Wort und Tat in den Gemeinden weiterzugeben. "Es ist ein Pfarrer, auf den man sich freuen darf", so der Dekan.

Pfarrer Johannes Ziegler ist in Augsburg geboren und aufgewachsen. Der 60-Jährige hat in Erlangen und Tübingen Theologie studiert. Als Vikar kam er nach Berg in Oberfranken, wo er seine Frau Esther kennenlernte.

Nach seiner Zeit als Pfarrer zur Anstellung, die er in Coburg verbrachte, wechselte er mit Familie, zu der zwei erwachsene Söhne und mittlerweile auch ein Enkelkind zählen, nach Kirchensittenbach, wo er 20 Jahre in einer ländlich geprägten Gemeinde arbeitete. Als der Wunsch in dem Theologen nach weniger Verantwortung keimte, hatte er sich vor drei Jahren auf eine halbe Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Schwebheim bei Schweinfurt beworben. In dieser Zeit wohnte er in Haßfurt, wo er sich mit seiner Frau nach Befreiung von der Residenzpflicht häuslich niedergelassen hatte.

Angesprochen von Pfarrerin Sabine Hopperdietzel, die als Pfarrkollegin aus dem Dekanat Hersbruck bekannt war, hatte sich Pfarrer Johannes Ziegler entschieden, auch in Haßfurt mit einer halben Pfarrstelle beruflich Fuß zu fassen. "Wie schön, dass ich zu euch kommen darf" - mit diesen Worten drückte Ziegler seine Freude aus, in der Kirchengemeinde Haßfurt mitarbeiten zu dürfen.

Ökumenische Zusammenarbeit

Bei der anschließenden Begegnung standen Grußworte im Mittelpunkt. Für die Politik sprach Haßfurts Bürgermeister Günther Werner. Der katholische Pfarrer Stephan Eschenbacher freute sich auf eine gute ökumenische Zusammenarbeit. Der Posaunenchor und die Organistin Ute Gutzeit umrahmten den Gottesdienst musikalisch.