Burgkunstadt — Offene Ganztagsschulen gibt es an Realschulen und Mittelschulen schon lange. Bei einem Gipfeltreffen im März haben Bayerische Staatsregierung und kommunale Spitzenverbände die schrittweise Einführung offener Ganztagsangebote auch für die erste bis vierte Jahrgangsstufe beschlossen.
Die Grundschule Burgkunstadt-Mainroth wurde ausgewählt, sich an der Pilotphase der Einführung der Offenen Ganztagsschule (OGTS) an Grundschulen im Schuljahr 2015/16 zu beteiligen. Und das als einzige Bildungseinrichtung dieser Art im Landkreis Lichtenfels.
Bei einem Informationsabend stellten Rektorin Stefanie Mayr-Leidnecker und Vertreter des katholischen Kindergartens St. Theresia, dessen Hort bislang für die Nachmittagsbetreuung der Grundschüler zuständig war, das neue Angebot vor.
Das Interesse seitens der Eltern war groß. "Die offene Ganztagsschule ist ein freiwilliges schulisches Angebot der ganztägigen Förderung und Betreuung von Schülern", erklärte die Rektorin. Der Unterricht in der OGTS finde wie gewohnt am Vormittag im Klassenverband statt.
Wenn es von den Eltern gewünscht wird, besuchen Kinder nach dem planmäßigen Unterricht die Ganztagsangebote. Zur familiengerechten Förderung und Betreuung gehören Mayr-Leidnecker zufolge die Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung, Fördermaßnahmen sowie Freizeitangebote mit sportlichen, musischen und gestalterischen Aktivitäten.
Bei der Offenen Ganztagsschule in Burgkunstadt würden drei Partner kooperieren: die Grundschule, der die schulische Verantwortung obliegt, die Stadt als Sachaufwandsträger sowie der katholische Kindergarten St. Theresia, der als freier, gemeinnütziger Träger für die "Bereitstellung, Organisation und Durchführung der Betreuung" zuständig ist.
Eine Nachmittagsbetreuung für Grundschüler in Form eines Horts gibt es bereits. Was ist bei der OGTS anders? Nach Aussage von Mayr-Leidnecker ändern sich Buchungszeiten, Kosten und Anmeldeformalitäten. Auch bei den Räumlichkeiten müsse man sich auf Neuerungen einstellen.
So werde mit Beschluss des Stadtrats die Offene Ganztagsschule übergangsweise in der Friedrich-Baur-Mittelschule, die bekanntlich zum Schuljahres ende für immer ihre Pforten schließt, untergebracht: "Eine dauerhafte Lösung muss erst noch gefunden werden."
Den Schülern stünden dort zwei Hausaufgaben-Zimmer, eine Küche und ein Raum zum Essen zur Verfügung. Auch die Außenanlagen von Mittel- und Grundschule könnten genutzt werden.
Für die OGTS an Grundschulen hat der Rektorin zufolge die Regierung zwei Modelle vorgegeben. Die klassische Form sehe ein Betreuungsangebot an mindestens vier Tagen pro Woche bis 16 Uhr vor. Bis auf das Mittagessen sei dieser Service kostenfrei. Die OGTS-Kombi gewährleiste ein Betreuungsangebot an mindestens fünf Tagen pro Woche bis 16 Uhr. Eine zusätzliche Betreuung bis 18 Uhr sei möglich. Die Elternbeiträge bei diesem Modell würden vom Kooperationspartner festgelegt.
"Welche Form wir für unsere Schule beantragen werden, steht noch nicht fest. Hier entscheidet allein der Bedarf, den die Eltern für ihre Kinder anmelden", erklärte Mayr-Leidnecker.
Die neuen Angebote kämen Eltern mit hohem Betreuungsbedarf entgegen und sie ermöglichten das Arbeiten unter einem Dach. Michael Seck, Betriebsleiter des katholischen Kindergartens St. Theresia, sieht in der Offenen Ganztagsschule eine große Chance für Burgkunstadt. Zweifellos müsse aber vieles noch überlegt werden. Was die Kosten anbelangt, sei man bemüht, den Elternbeitrag möglichst gering zu halten. Dies sei auch der Wunsch der Stadt.
Erzieherin Katrin Hermann und Kinderpflegerin Bianca Nagel vom Hort des Kindergartens St. Theresia informierten über ihre pädagogische Arbeit. Man unterstütze die Grundschüler bei den Hausaufgaben und kontrolliere deren Richtigkeit und Vollständigkeit. Man biete den Kindern ein ausgewogenes, warmes Mittagessen, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sowie ein Ferienprogramm während der Öffnungszeiten des Kindergartens. Das Hort-Team arbeite mit Eltern zusammen und tausche sich mit Lehrern aus.
Unter dem Motto "Du bist wichtig, deine Meinung zählt!" wählen die Kids einen "Hort-Rat", der mitbestimmen darf. Die Nachmittagsbetreuung der Grundschüler erfolgt derzeit noch in den Räumen des Kindergartens St. Theresia.
Eine Bedarfsabfrage bei Eltern soll jetzt Klarheit schaffen, welche Form der Offenen Ganztagsschule gewünscht wird. "Egal, wie das Ergebnis auch ausfallen wird, die Eltern können sicher sein, dass die Betreuung ihrer Kinder auch in Zukunft gewährleistet ist", fassten Rektorin Stefanie Mayr-Leidnecker und Betriebsleiter Michael Seck zusammen. Bernd Kleinert