Die Fronten schienen im Sommer 2019 verhärtet: Der Vorstand der Handwerkskammer in Bayreuth hatte erklärt, dass das Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) in Coburg mittelfristig aufgegeben werden solle. Stattdessen solle ein neues BTZ in Bamberg für ganz West-Oberfranken errichtet werden, also vom Raum Coburg im Norden bis nach Forchheim im Süden.

Doch die Coburger pochten auf ihren Fusionsvertrag: Erst 2001 hatte sich die Handwerkskammer Coburg mit der für Oberfranken zusammengeschlossen. Dass es eine eigene Kammer für Coburg gab, war eine Folge der Angliederung von Coburg an Bayern im Jahr 1920 gewesen. Die Fusion vor knapp 20 Jahren erfolgte auch, um die Lehrlingsausbildung in Coburg zu erhalten. Am Coburger BTZ lernen zum Beispiel angehende Maurer, Maler, Kfz-Mechaniker, Elektroniker, Friseure, Feinwerkmechaniker, Metallbauer und Bäcker, die ihre Ausbildung in einem Handwerksbetrieb machen und nicht in der Industrie. Im Fusionsvertrag heißt es: "Das BTZ Coburg wird in gleicher Weise unterhalten und an die technische Entwicklung angepasst, wie dies bei den übrigen Bildungseinrichtungen der Kammer in Oberfranken geschieht."

Davon hatte der damalige Vorstand der Handwerkskammer im Frühjahr 2019 aber nichts mehr wissen wollten, und in den Folgemonaten eskalierte der Streit. Der damalige Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer sprach zwar davon, in Coburg einen "innovativen Lernort" zu etablieren, aber den hätte der Freistaat Bayern über die "Hightech-Offensive" fördern müssen.

Die Coburger klagten also auf Einhaltung des Fusionsvertrags. Zu dieser Zeit schwelte in der Handwerkskammer schon der Skandal um die Steuerberatungs-Tochter GTO (siehe Seite 7). Letzter veröffentlichter Stand in Sachen Klage zum Coburger BTZ war, dass ein Mediationsverfahren versucht werden solle, um den Streit zwischen Handwerkskammerspitze und den Coburger Innungen außergerichtlich beizulegen. Das war im Januar 2020.

Inzwischen wird ein zweites Mediationsverfahren vorbereitet, wie Michael Klein am Montag in Bayreuth berichtete. Der Werkpolier Hochbau aus Neuses an den Eichen gehört dem Handwerkskammervorstand als Arbeitnehmervertreter an. In dieser Funktion versucht er, die Kommunikation mit den Coburgern wieder in Gang zu bringen. Seinen Worten nach wird derzeit ein Konzept ausgearbeitet, wie alle vier BTZ-Standorte der Handwerkskammer Oberfranken erhalten werden können. Dabei sei auch "der Gutachter" eingebunden.

"Der Gutachter" soll die Handwerkskammer in der Frage beraten, wie viele überbetriebliche Ausbildungsplätze in welchen Berufen sie künftig vorhalten muss. Da geht es zum einen um die Bevölkerungsentwicklung, zum anderen um die Frage, wo diese Ausbildungsplätze sinnvollerweise angesiedelt sind, und natürlich um die Kosten. Das Gutachten wird im Auftrag des Bundesinstituts für berufliche Bildung erstellt.

Obwohl dieses Gutachten noch gar nicht fertig war, ging die Führung der Handwerkskammer davon aus, dass nur drei der vier BTZ-Standorte in Oberfranken übrig bleiben. Coburg sollte wegfallen, dafür wollte die Handwerkskammer in Bamberg neu bauen.

Die damalige Geschäftsleitung der Handwerkskammer habe eine falsche Rechtsauffassung vertreten, sagte am Montag Ex-Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer. Sie habe sich "schlichtweg keine Gedanken gemacht, wie Coburg erhalten werden könnte". Stattdessen gab es Schließungspläne: 2025 sollte für die meisten Berufe in Coburg Schluss sein, lediglich die Bauhalle sollte bis 2030 betrieben werden.

Inzwischen sieht das anders aus. Wie Michael Klein sagte, seien auch die Innungen dafür, den BTZ-Standort Coburg zu erhalten. Das neue Konzept sei an den Anwalt der Coburger Kläger geschickt worden, mit dem Ziel, ein zweites Mediationsverfahren zu starten. Bis zur Sommervollversammlung der Handwerkskammer Oberfranken sollen erste Ergebnisse vorliegen. Klein: "Wir sind auf einem sehr guten Weg."