Von Nesthockern, Realitätsverweigerern oder entkoppelten Jugendlichen spricht die Fachwelt, wenn Jugendliche die Anforderungen der Gesellschaft und der Eltern als Zumutung und Überforderung erleben und daran zu scheitern drohen. Das Verharren im Elternhaus und das Verweigern von Weiterentwicklung wird zum Lösungsversuch dieser spannungsvollen Situation, heißt es in einem Pressetext der Erziehungsberatungsstelle der Caritas.
Wenn dann gleichzeitig der Austausch mit Gleichaltrigen zum Erproben von möglichen Facetten der Identität fehlt, entstehen keine realistischen Erkenntnisse und Sicherheiten über die eigene Person. Als Ersatz bilden sich dann vielfach grandiose Vorstellungen und Tagträume wie YouTube-Star mit tausenden von Followern oder erfolgreicher Mediengestalter. In der Phantasie ist man schon erfolgreich in der Erwachsenenwelt und erspart sich Erfahrungen von Anstrengung und Scheitern.
Wie entsteht so eine Haltung? Meist treffen mehrere Faktoren zusammen. Erfahrungen mit Mobbing oder Hilflosigkeit, Angst und Unsicherheit bei Entscheidungen spielen auf Seiten der Jugendlichen eine Rolle. Zusätzlich wirken familiäre Faktoren wie fehlende Bezugspersonen oder überfürsorgliche und unsichere Eltern.


Austausch mit anderen Eltern

"Leinen los" heißt ein Angebot der Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes im Landkreis Erlangen-Höchstadt für Eltern in dieser Situation. In Gesprächsabenden unter Leitung eines Psychologen und einer Pädagogin geht es um Erfahrungsaustausch, um entwicklungspsychologische Aspekte und um Suche nach Handlungsmöglichkeiten. Der erste Gesprächsabend findet am 12. Mai von 19 bis 21 Uhr in den Räumen der Beratungsstelle, Anna-Herrmann-Straße 3 in Herzogenaurach statt. Weitere sind für Juni und Juli geplant. Um Anmeldung unter Telefon 09132/8088 wird gebeten. red