Das Zelt ist abgebaut, die Fahrzeuge sind abgemeldet: Familie Endres, die den Kinderzirkus "Toggolino" betreibt, wurde durch die Corona-Krise zum Stillstand gezwungen. Ursprünglich waren Auftritte unter anderem in Muggendorf und Höchstadt geplant, doch nun sitzt die achtköpfige Familie seit einer Woche in Möhrendorf fest.

Dabei schien es nach dem ersten Lockdown im Frühling zunächst wieder bergauf zu gehen. "Wir haben uns im Sommer ein gutes Hygienekonzept erarbeitet. Statt 300 Leuten haben wir nur noch 50 Leute in unsere Veranstaltungen gelassen, das hat alles gut funktioniert", erinnert sich Patrick Endres, der Familienvater. Die Einnahmen aus den Auftritten in den Sommermonaten waren zwar ausreichend, um alle Rechnungen bezahlen, die sich während des ersten Lockdowns angesammelt hatten - doch nun sieht die Situation anders aus.

"Es sind keine Ersparnisse mehr da", gesteht er. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Zirkusfamilie die vom Staat angekündigten finanziellen Unterstützungen für Künstler und Freischaffende nicht erhalten hat. "Wir haben vom Staat überhaupt keine Beihilfe bekommen. Von den Soforthilfen haben wir nichts gesehen", erklärt Patrick Endres.

Die Corona-Schutzmaßnahmen zwingen ihn nun zum absoluten Stillstand. Die Zirkusfamilie durfte neben dem Sportplatz in Möhrendorf ihr Quartier aufschlagen und auch die Wohnwagen dort abstellen. Für Endres ist diese Möglichkeit ein großer Glücksfall. "Ich bin sehr froh, dass ich aktuell hier sein darf. Der Bürgermeister und die Leute vom Ordnungsamt sind alle sehr nett. Wenn ich hier weg müsste - ich wüsste gar nicht, wohin".

Der älteste Sohn Sammy-Joe wohnt in seinem eigenen Wohnwagen, seine vier Schwestern teilen sich einen weiteren Wagen. In dem dritten leben die beiden Eltern gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn Joel. Eigentlich hätte die Familie im Dezember viele Auftritte mit ihrem Weihnachtszirkus gehabt und sich von den Einnahmen im Januar ein Grundstück gemietet, auf dem sie den Winter über stehenbleiben können. "Das fällt dieses Jahr natürlich weg, denn ich kann ja kein Grundstück mieten, wenn ich gar keine Einnahmen habe", sagt Endres.

Finanzieller Engpass

Die finanzielle Situation zwang den Familienvater dazu, sich beim Arbeitsamt zu melden, um an einen Job zu kommen - bisher jedoch ohne Erfolg. "Ich habe einen Führerschein und kann anpacken, aber es fehlt an allen Ecken und Enden bei uns", erzählt Endres. "Wir fahren aktuell auf Sparflamme. Der Strom muss bezahlt werden und bei den Lkws sind einige Reparaturen fällig. Außerdem haben wir laufende Kosten." In den letzten zehn Jahren sei er noch nie in einen derartigen finanziellen Engpass gekommen. Endres gibt zu: "Mir ist das auch gegenüber meinen Kindern unangenehm, denn ich will ihnen ja etwas vorleben."

Besonders die bevorstehende Weihnachtszeit bereitet ihm große Sorgen. "Ich habe sechs Kinder. Natürlich würde ich mit ihnen gerne einen Weihnachtsbaum aufstellen und Geschenke für sie kaufen können."

Für jede Hilfe dankbar

Neben einem Job und einem Winterquartier, in dem die Zirkusfamilie ihre Wohnwägen abstellen könnte, würde sich der Familienvater auch über Spenden sehr freuen. "Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass uns das nicht helfen würde", gesteht Endres. "Dann könnte ich endlich meinen Lastwagen reparieren lassen, denn er muss ja einsatzbereit sein, sobald es wieder losgeht."