Die Bahnlinie Herzogenaurach-Erlangen nahm am 1. Dezember 1945 ihren Betrieb wieder auf. In diesem Monat wurde auch bekanntgegeben, dass im Januar 1946 Gemeindewahlen stattfinden sollten.

Wie der Landrat am 30. November mitteilte, mussten die Herzogenauracher ab Montag, 3. Dezember, mit Stromsperren zurechtkommen. Durch das Überlandwerk Oberfranken in Bamberg wurde der Strom am Montag, Dienstag und Mittwoch von 8 bis 12 Uhr, am Donnerstag, Freitag und Samstag aber von 12 bis 16 Uhr abgeschaltet.

Am 1. Dezember 1945 teilte Landrat Valentin Fröhlich dem Bürgermeister in Herzogenaurach im Auftrag von Oberleutnant Braunfeld von der Militärregierung mit, "dass die Gebäude, Wohnräume oder sonstigen Räume, soweit sie bisher von amerikanischen Truppen belegt und nun geräumt sind, wieder den deutschen Behörden zur freien Verfügung übergeben werden".

Vor 75 Jahren konnte auch die Herzogenauracher Bahnlinie ihren Betrieb wieder aufnehmen, nachdem der Schienenstrang und die Brücke repariert worden waren. Eine Herzogenauracherin notierte in ihren Aufzeichnungen: "Am 1. Dez. kam unser Bähnchen wieder in Betrieb. Aber scheints nur für Arbeiter. Morgens fährt der Zug um 1/2 6 Uhr weg & abends geht er von Erlangen um 1/2 7 Uhr nach H.aurach. Also 1 Zugpaar. Untertags werden Güter befördert."

Die Eisenbahnlinie war wichtig für den Gütertransport, aber auch Arbeiter und Schüler nutzten die Verbindung. Wenn der Zug in Bruck die Steigung langsam hinauffuhr, klang das Schnaufen dabei wie "Schieb zu, schieb zu". Wenn es danach leicht bergab ging dagegen: "Brauch di nemmer, Brauch di nemmer." Der Zug fuhr an der Firma Hoffmann, später Progress, dann Frieseke und Hoepfner, vorbei. Die Firma stellte während des Krieges Flakscheinwerfer etc. her, nach dem Krieg Eisenbahnhebezeuge. Der Betrieb bildete gefragte Feinmechaniker aus. Von den gut ausgebildeten Facharbeitern profitierte nach dem Krieg vor allem die Firma Ina.

Am 3. Dezember erreichte Herzogenaurach die Mitteilung, dass in der Landwirtschaftsschule Forchheim in nächster Zeit der erste Kurs eröffnet wird. Das Schulgeld betrug 20 Reichsmark. Die Schüler mussten das 16. Lebensjahr vollendet haben, bei der Einschulung wurden aber ältere Schüler bevorzugt aufgenommen. Der Unterricht fand nur vormittags statt. Über den genauen Schulbeginn konnten jedoch noch keine Auskünfte gegeben werden. Darüber sollte vermutlich erst nach der eingegangenen Anzahl der Bewerber entschieden werden.

Hans Maier übernimmt

Wegen seines Gesundheitszustandes wurde mit Wirkung von Mittwoch, 5. Dezember 1945, Jakob Schramm von seinem Amt entlassen. Die Amtsgeschäfte übernahm Zweiter Bürgermeister Hans Maier.

Erster Bürgermeister blieb weiterhin Valentin Fröhlich, der allerdings hauptsächlich durch seine Verpflichtungen als Landrat in Anspruch genommen wurde. Die Entscheidung hatte Major Robert J. Hanford, Director Militärgouverneur in Höchstadt getroffen.

Auf Nachfrage von "Graves Registration Service Area Search Certificate" vom 4. Dezember teilte der neue Bürgermeister Hans Maier mit, dass innerhalb der Grenzen der von ihm verwalteten Gemeinde, also auf dem Gebiet von Herzogenaurach, elf unbekannte und sechs bekannte englische Flieger sowie ein französischer Kriegsgefangener bestattet seien.

Der Staatskommissar für das Flüchtlingswesen im bayerischen Staatsministerium des Innern gab am 4. Dezember "Bestimmungen für die Beschlagnahme von Wohnungen und Zimmern zum Zweck der Einquartierung für Evakuierte und Flüchtlinge" heraus. Danach hatten alle Heimatvertriebenenfamilien vorläufig nur Anspruch auf einen Raum. Familien mit Kindern unter 14 Jahren waren möglichst in heizbaren Räumen unterzubringen. Einzelstehende Männer und Frauen mussten mindestens zu je zwei Personen ein Zimmer beziehen.

Außerdem hatten die Flüchtlingskommissare "eine Zählung des gesamten Raumes nach ME. vom 19.11.1945 - Nr. 3651d 5 - aufzunehmen". Eine Klassifizierung sollte nach heizbar, unheizbar, Baracken, Fabrikräumen, Geschäftsräumen, Heimen, Gasthöfen und Pensionen erfolgen. "Bei der Einweisung von Flüchtlingen und Umgruppierung innerhalb des vorhandenen Wohnraumes ist dahin zu arbeiten, dass die Nazi ihre Häuser verlassen müssen und in weniger komfortable Häuser eingewiesen werden", wird in dem Schreiben noch vermerkt. Zur Belegung mit Heimatvertriebenen sollten auch Landhäuser, Sommersitze und Jagdhäuser herangezogen werden.

Für die Reihenfolge der Beschlagnahme war eine Prioritätenliste vorgesehen. In erster Linie sollten die Wohnungen und Häuser von besonders schwer kriminell oder politisch Belasteten eingezogen werden. Dann sollten politisch schwer Belastete oder wegen erheblichen Einsatzes für den Nationalsozialismus Belastete folgen, dann leicht Belastete, schließlich die Mitläufer. Für den Fall, dass die Unterkunftsmöglichkeiten immer noch nicht ausreichten, konnten auch Landbesitz, Schlösser, Villen etc. für die Unterbringung von Heimatvertriebenen verwendet werden.

Wichtig war auch die Herrichtung von Baracken, wozu ehemalige Parteigenossen zwangsverpflichtet werden konnten. Außerdem sollte die Prüfung von leer stehenden Fabriken erfolgen, die zurzeit nicht produzierten und daher für Flüchtlinge verwendet werden konnten. In dem Schreiben findet sich aber ebenfalls der Vermerk: "Alle Flüchtlinge sind sofort für die Mitarbeit am Aufbau heranzuziehen in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Arbeitsamt."

Sowohl im Regierungsbezirk als auch im Landkreis waren zur Regelung des Heimatvertriebenenproblems Sechserkommissionen einzusetzen. Vier Mitglieder sollten durch die zugelassenen Parteien bestellt werden, die durch zwei Vertreter der Heimatvertriebenen zu ergänzen waren. Diese sollten sich möglichst aus Vertretern der Landsmannschaft rekrutieren, die in der Gemeinde am stärksten vertreten war.

Um die Demokratisierung der Bevölkerung nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur voranzutreiben, wurde im Dezember 1945 angekündigt, dass in der US-Zone im Laufe des Januar 1946 Gemeindewahlen stattfinden würden.

Die Amtszeit der von der Bevölkerung gewählten Gemeinderäte und Bürgermeister sollte zwei Jahre nicht überschreiten. Weiterhin findet sich vermerkt: "Die Kandidaten für diese Ämter müssen qualifizierte Wähler sein. Die Kandidaten sind namhaft zu machen, sie werden von der Militärregierung geprüft und von ihr bewilligt oder abgelehnt."

Wahlberechtigt waren Frauen und Männer, die das 21. Lebensjahr vollendet hatten. Ausgeschlossen von der Wahl waren Personen, die entweder vor dem 1. Mai 1937 in die NSDAP eingetreten, oder alle Aktivisten, die nach diesem Termin eingetreten waren. Ausgeschlossen von der Wahl waren auch alle Amtsträger, Führer oder Unterführer der Partei zu irgendwelcher Zeit, Mitglieder der SS, Amtsträger, Offiziere oder Unteroffiziere der SA, Amtsträger der HJ, des BdM, NSDStB, NSDOB, von NS-Frauenschaft, NSKK und NSFK.