"Kies, Schotter und Co. halten noch immer vermehrt Einzug in die Gärten. Hierdurch schwinden im direkten Umfeld des Menschen Lebensräume für Insekten, Vögel und Säugetiere in teils bedenklichem Ausmaß", befürchtet man beim Kreisverband Coburg für Gartenbau und Landespflege. Um dieser Entwicklung etwas Einhalt zu gebieten, hat der Kreisverband 2019 die Aktion Naturgarten ins Leben gerufen. Im abgelaufenen Gartenjahr wurden 16 Gärten von Mitgliedern der Obst- und Gartenbauvereine zertifiziert. Die Bewertung der Gärten übernahmen Reiner Brückner, Barbara Lauterbach, Thomas Neder und Ute Schade.

Erfüllt werden mussten vier Kernkriterien: auf chemische Pflanzenschutzmittel und chemisch-synthetische Dünger verzichten, zur Bodenverbesserung keinen Torf nehmen und für eine Vielfalt oder Diversität im Garten sorgen. Als Lohn für ihre naturnahe Gartenbewirtschaftung erhielten die Gartenbesitzer eine Plakette und eine Urkunde, die vom Vorsitzenden des Kreisverbandes, Landrat Sebastian Straubel, unterzeichnet wurde. Die Aktion soll auch im Jahr 2021 weitergeführt werden.

Zu den ersten Gärten, die zertifiziert wurden, zählt der Hausgarten von Familie Mittelbach in Moggenbrunn. Zum Thema Naturgarten und den aktuellen Gartentrends haben sich Ingrid und Günther Mittelbach einige grundlegende Gedanken im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Kreisverbandes Thomas Neder gemacht: "Unserer Meinung nach gibt es in den Neubaugebieten kaum noch Hausgärten im üblichen Sinn. Die meisten Häuser sind von Rasenflächen und im Eingangsbereich von Steinwüsten umgeben. Der Rasen wird von Mährobotern permanent gepflegt und dabei auch noch der letzte Käfer vernichtet. Die Steine werden in der Nacht dauernd beleuchtet und so verschwindet im Laufe der Zeit alles Leben aus den Gärten. Außerdem heizen sich die Steine in der Sonne auf und tragen so zur Klimaerwärmung bei." Die Mittelbachs haben einen Wunsch: Es muss vermittelt werden, dass ein Naturgarten keine Wildnis, sondern vor allem ein Bereich mit vielen Strukturen ist, die Leben schaffen und bewahren.

Vor circa 30 Jahren übernahmen sie ihren Garten und stellten bald fest, dass die Bewirtschaftung nach herkömmlicher Weise nicht ihr Ding war. Sie stellten auf Kompostwirtschaft um und verbannten alle Spritzmittel. Nach etlichen Rückschlägen machten sie nach einigen Jahren die Erfahrung, dass sich das Leben in ihrem Garten zum Positiven verändert hatte. Es gab mehr und viele verschiedene Insekten und auch viel mehr Vögel als vorher. Die Geduld hatte sich also gelohnt.

Ein Gartenteil ist so angelegt, dass nur im Frühjahr die Stauden abgeschnitten werden und dann wird nicht mehr ins Beet eingegriffen. Es wird auch nicht gegossen. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst blühen immer wieder andere Stauden.

Für junge Leute, die ihren (ersten) eigenen Garten anlegen wollen, haben die beiden Gartenenthusiasten viele Ratschläge. Wichtig sei, nicht planlos vorzugehen und an die Helfer wie Insekten, Igel und Vögel im Garten zu denken. TN