Kreis Haßberge — Warum überhaupt Naturschutz? Und wie gewährleisten, dass es funktioniert wie geplant? Klaus Mandery, der Vorsitzende der Kreisgruppe Haßberge des Bundes Naturschutzes, erklärt, was hinter der Idee Naturschutzgebiet steckt.

Viele Bürger stellen sich unter Naturschutz unberührte Natur vor. Warum müssen Naturschutzgebiete überhaupt gepflegt werden?
Mandery: Es gibt zwei Ansätze, Naturschutz zu betreiben. Erstens: nichts tun und die Natur sich selbst überlassen. Zweitens: konservierenden Naturschutz zu betreiben und dabei einen festgestellten oder erwünschten Status quo zu erhalten versuchen. Die Naturschutzgebiete im Landkreis werden überwiegend nach dem zweiten Ansatz gepflegt, nur in den ehemaligen - und kleinen - Naturwaldreservaten verzichtet man auf den Holzeinschlag. Die dort entstehende Wildnis ist aber durch die Kleinheit der Areale begrenzt und kaum der Rede wert. Das von uns erwünschte Großnaturschutzgebiet Nationalpark Steigerwald könnte diesem Wildnisanspruch gerecht werden - darf es aber nicht.

Was kann bei der Pflege schief laufen? Gibt es unabhängige Stellen, die die Ergebnisse überprüfen?
Bei Pflegemaßnahmen gibt es wie im richtigen Leben Kollateralschäden, das heißt, dass bei der Hilfe für die eine Art durchaus einmal die andere Art das Nachsehen hat. Die Naturschützer - die von Amts wegen und die ehrenamtlichen - müssen sich entscheiden und zu ihrer Entscheidung stehen. Die Kontakte zu den Naturschutzbehörden, die Untere (UNB) in Haßfurt und die Höhere (HNB) in Würzburg sind gut, da nur im Miteinander das Nötige erreicht werden kann. Der BUND Naturschutz ist glücklicherweise personell so gut ausgestattet, - das heißt, es sind so viele Artenkenner in seinen Reihen und es ist ein so guter Überblick vorhanden - dass mit großer Sicherheit angenommen werden darf, dass die Naturschutzgebiete ihrem Namen durchaus noch gerecht werden.

Der Kreis Haßberge besteht aus 95652 Hektar Fläche, laut Landratsamt sind davon rund 2740 Hektar Naturschutzgebiet, etwa 2,8 Prozent. Ist das zu wenig für einen Landkreis dieser Größe mit seiner ländlichen Struktur?
Ganz sicher! Ein Nationalpark Steigerwald - ganz auf staatlichem Eigentum gegründet und mit den besten Buchen-Mischwäldern Mitteleuropas ausgestattet - wäre eine fantastische Ergänzung zu den Offenland-Naturschutzgebieten unserer klimatisch begünstigten Naturräume. In ihm könnte sich in der unbewirtschafteten Kernzone ein Wald entwickeln, der im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte dem Urwald immer ähnlicher werden würde.

Die Fragen stellte Andreas Lösch