Es ging an diesem Dienstagabend nicht um die Frage, ob der Biber wieder am Obermain angesiedelt wird. Er ist schließlich schon da, hat sich seine Behausung am Kelbach zwischen Ebensfeld und Prächting längst eingerichtet und manchen Damm gebaut. Und dennoch spaltete das Nagetier im Gemeinderat die Gemüter, obwohl es "nur" um die Idee eines Biber-Lehrpfades ging.
Der Bund Naturschutz (BN) war mit diesem Gedanken an die Gemeinde herangetreten, um die Lebensweise des Bibers der Bevölkerung nahe zu bringen. Dem BN schwebte die Aufstellung von zehn jeweils 100 auf 70 Zentimeter messenden Lehrtafeln vor, anzubringen an der parallel zum Kelbach verlaufenden kleinen Ortsverbindungsstraße zwischen Ebensfeld und Prächting. Der Gemeinde entstünden keine Kosten, die Finanzierung der anfallenden rund 8000 Euro würde durch das "Glücksspirale-Projekt Bund Naturschutz" und durch Eigenleistung erfolgen.
Neben BN-Ortsgruppenvorsitzendem Ludwig Wendler und Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt begrüßte Bürgermeister Bernhard Storath den für Nordbayern zuständigen Bibermanager des BN, Horst Schwemmer. Für ihn wäre ein Biber-Lehrpfad eine "gute Sache" und zudem ein Alleinstellungsmerkmal, hielt der Rathauschef mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, bevor er das Wort an Schwemmer übergab.
Der Experte erläuterte erfolgreiche Biber-Lehrpfad-Projekte andernorts und ging auf die seiner Ansicht nach oft unzureichend gewürdigte Schlüsselrolle des Bibers für die Schaffung von Refugien für andere Tierarten wie Fischotter, Libellenarten und Bachmuscheln ein. Auch die insbesondere aus Landwirtschaftssicht oft angesprochene Biberschäden-Problematik und den Entschädigungsfonds bei auftretenden Fraßschäden oder Überschwemmungen sparte Schwemmer nicht aus.


Keine erforderliche Mehrheit

Franz Böhmer (Freie Wähler) nutzte die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass der auf 450 000 Euro jährlich gedeckelte Entschädigungsfonds des Freistaats längst nicht mehr ausreiche. Schwämmer stimmte zu.
"Ich sehe nicht die Gefahr, dass ein Landwirt einen Doppelzentner weniger erntet, weil der Biber da ist", erklärte Bürgermeister Storath. Aber zur Entscheidung stand ja an diesem Abend nur die Frage, ob ein Biber-Lehrpfad errichtet werden soll oder nicht. Bei neun Ja- und neun Nein-Stimmen wurde die zur Umsetzung erforderliche Mehrheit verfehlt und das Projekt somit abgelehnt.
Enttäuscht angesichts der nach seinem Dafürhalten "verpassten Gelegenheit" zeigte sich anschließend BN-Kreisvorsitzender Reinhardt: "Schade! Diese Entscheidung überrascht mich doch. Das wäre doch ein Geschenk an die Gemeinde gewesen."