Erstmals stellt ein deutsches Freilandmuseum ein Kriegerdenkmal auf. Wie kam es dazu? Diese Frage und die Gedenkkulturen von damals und heute stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung "Nachdenken über Gedenken. Aspekte der Gedenkkultur zwischen zwei Weltkriegen" im fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim am Freitag, 28. Juni, dem 100. Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Vertrags.

Vor genau einhundert Jahren wurde das Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Versailler Vertrag besiegelt. Bis heute erinnern Kriegerdenkmäler aus der Folgezeit an die Millionen Toten dieses ersten industriellen Kriegs. In jeder Gemeinde und in fast jeder Familie waren Tote zu beklagen. Entsprechend groß war der Wunsch nach einer baulichen Repräsentation des Gedenkens: Kaum eine Ortschaft, in der damals nicht Gedenktafeln oder Kriegerdenkmäler errichtet wurden, die seitdem fest zum Ortsbild gehörten.

Doch waren und sind diese Denkmäler nicht unumstritten, beispielsweise aufgrund ihrer kriegsverherrlichenden Darstellung. Stetig wurden sie verändert, ergänzt, ersetzt oder auch ganz abgetragen. Eines von ihnen wurde 2016 dem Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim angeboten, das Kriegerdenkmal aus Ornbau (Landkreis Ansbach).

Diskurs kommt in Bewegung

Mit dessen Versetzung wurde nun nicht nur ein weiterer Mosaikstein des ländlichen Lebens in Franken ins Museum geholt, heißt es in einer Pressemitteilung, mit dem Denkmal kommt auch der gesellschaftliche Diskurs um eine angemessene Erinnerungskultur. Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim versteht sich hierin als wissenschaftlicher Impulsgeber und möchte eine Plattform für dessen Verhandlung bieten - beginnend mit der Veranstaltung am Freitag, in der es von 14 bis 18 Uhr verschiedene Vorträge sowie die Möglichkeit zur Besichtigung des Denkmals gibt und anschließend auch zur Diskussion gibt. red