Wegen der Corona-Beschränkungen muss auf vieles verzichtet werden. Selbst Traditionen müssen ruhen. Auch die Maifeiern mit dem Aufstellen eines Maibaums mussten entfallen - oder?

Gerade in den letzten Wochen gab es viele kreative Ideen, wie manches Vergnügen auf eine etwas andere Art und Weise dennoch realisiert werden kann, ohne gegen die Vorschriften zu verstoßen. Auch fürs Maibaumaufstellen hat sich eine pfiffige Alternative gefunden, die zugleich für viel Freude bei den Beteiligten sorgte.

Kurt Bernreuther beschloss, auf seinem Grundstück über den nachbarschaftlichen Gartenzaun einen eigenen Maibaum aufzustellen. Schnell war ein Weg gefunden, um an die erforderlichen Materialien zu kommen, ohne aus dem Haus zu müssen. "Seit ungefähr einem Dreivierteljahr lag nämlich der Stamm einer gefällten Gartentanne bei uns auf dem Grundstück", erklärte Bernreuther. Bevor der Stamm zu Brennholz verarbeitet wurde, entschied sich der ehemalige Grüber Bürgermeister, den Stamm als Maibaum zu entrinden.

Auch eine passende Krone war schnell gefunden. Bernreuthers Frau Sonja hatte noch einen Kranz deponiert. Nachdem sie ihn hervorgekramt hatte, wurde er fachmännisch von Nachbarin Hedi Köhler mit frischem Grün aus dem Garten gebunden und mit verschiedenfarbigen Bändern dekoriert.

Wie es sich für einen richtigen Maibaum gehört, wurde der Stamm mit breitem Band umwickelt. Birkenzweige bildeten die krönende Spitze. Nachdem der Baum fertig hergerichtet war, wies er zwar mit etwa vier Metern eine nicht ganz so stattliche Gesamthöhe wie die üblichen Vertreter seiner Art auf, war aber dennoch eindrucksvoll. Um den Baum aufzuziehen, verabredeten sich die Nachbarsehepaare am Maifeiertag zur Mittagszeit in ihren Gärten.

Teamwork über den Zaun

Kurt und Sonja Bernreuther brachten den Maibaum bei sich in der Nähe des Zaunes in Position. Auf dem Nachbarsgrundstück standen schon Hedi und Wolfgang Köhler bereit, um mit einem Seil von ihrem Garten aus über den Zaun den Stamm nach oben zu ziehen, während ihn die Bernreuthers auf ihrem Grundstück ausrichteten. Durch diese Technik konnten die Nachbarn mit ausreichendem Abstand die Aufstellung traditionell zelebrieren.

Bei Marschmusik und Schlagern bewunderten die Ehepaare ihre Arbeit und ließen sich - jeder in seinem Garten - Bratwürste vom Grill sowie ein Seidla Bier am Gartenzaun schmecken. ake