Luise Mader ist den meisten Höchstadtern als Floristin bestens bekannt und führte einen Blumenladen gegenüber der Bücherstube. Ihre Eltern hatten eine Gärtnerei und Äcker in der Weichenleite zwischen Höchstadt und Lonnerstadt.

In der Nähe, wo das heutige Brunnenhaus der Stadt ist, war am Waldrand ein Scheinflugplatz mit nächtlicher elektrischer Beleuchtung installiert worden. Er sollte die Royal und US Air Force-Bomber bei ihren Flügen nach Nürnberg täuschen. In ihrem Bereich wurden lediglich drei Bomben abgeworfen. Anhand ausgezeichneter Luftbilder der Alliierten war das Täuschungsmanöver ohne große Wirkung. Zum Glück für das nahe gelegene Lonnerstadt und Höchstadt, wo ein Flächenbombardement furchtbare Folgen gehabt hätte.

Auch in Höchstadt war es gefährlich, offen die Meinung zu sagen. "Man musste den Mund halten", so berichtet Luise Mader im Gespräch immer wieder. Oder man kam nach Dachau, was von den Parteileuten immer wieder angedroht wurde. Lediglich der katholische Pfarrer Görres war mutig und traute sich immer wieder, seine Meinung zu sagen.

Ein Erlebnis vom Donnerstag vor dem Einmarsch der US-Truppen ist Mader noch in bester Erinnerung, als sie beim Einkaufen die NSDAP-Ortsleiterin traf. Als christlich erzogene junge Frau grüßte sie mit "Grüß Gott". Die Antwort war ein selbstbewusstes "Heil Hitler".

Von Bamberg her hörte man den Gefechtslärm der Artillerie und Panzertruppen immer lauter. Höchstadt sollte ursprünglich verteidigt werden. Die Spitalstraße zum Beispiel war mit dicken Baumstämmen als Panzersperre verbarrikadiert, so dass Mader vor dem Angriff mit ihrer Freundin und einem Puppenwagen mit einem Laib Brot nicht zur elterlichen Gärtnerei flüchten konnte. Die beiden Mädchen nahmen dann den "Umweg" über den Engelgarten. Viele Höchstadter Familien begleiteten sie: "Die halbe Badgasse war unterwegs ... "

Brennende Scheunen

Am nächsten Tag kamen dann die US-Truppen. Der Volkssturm war chaotisch organisiert. Zuerst war der Kirchturm das Ziel der Geschütze, um eventuelle Kampfbeobachter zu vertreiben. Einige Scheunen wurden in Brand geschossen. Innerhalb einer Stunde gelang den Truppen dann die Besetzung.

Damit war das 1933 gestartete Unrechtssystem beseitigt. Auch die vielen Zwangsarbeiter, sie waren jeweils nachts in der Turnhalle (vermutlich Sowjets), im heute städtischen Kellerhaus (Franzosen) und in der Brauhausgasse (Polen) untergebracht, erhielten damit ihre Freiheit wieder.

In der ersten Woche nach dem Einmarsch der US-Truppen gab es eine Ausgangssperre. Lediglich zwei Stunden konnte man mittags aus der Wohnung, um zum Beispiel auch für die Gänse oder Hühner Futter zu beschaffen. Geschlachtetes Fleisch wurde grundsätzlich geräuchert, um es haltbar zu machen. Kühlschränke gab es nicht. Bis heute kann Luise Mader deshalb kein geräuchertes Fleisch mehr essen.

Durstige US-Soldaten

Die Höchstadter Hauptstraße hieß damals, wie in vielen anderen Städten laut Verordnung des Reichsinnenministeriums (Juli 1933) auch, Adolf-Hitler-Straße. Das Straßenschild wurde nicht, wie häufig berichtet wird, von US-Soldaten als Souvenir abgeschraubt. Es wurde, wie Mader beobachtet hat, nach der Besetzung durch US-Truppen von einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung ganz offiziell abgeschraubt. Ihre Brüder haben mit den US-Soldaten Kontakt gehabt, ihnen geholfen und dafür Kaffee, "den besten ihres Lebens" so Mader, Schokolade und Pfannkuchen erhalten. Sie selbst erinnert sich an ein Erlebnis am Kellerberg, als sie für die Eltern Bier holen sollte. Plötzlich standen zwei US-Soldaten mit Bierkrügen am Kellereingang und wollten auch Bier haben. Ein Soldat musste die Kerze für die Beleuchtung halten und so stieg man in den Keller hinab. Die Soldaten haben sich ansonsten anständig verhalten.

Ein interessanter Bericht liegt auch von der schon verstorbenen Irmgard Gebele vor. Gebele wohnte in der Brückenstraße 8, arbeitete bis zum Kriegsende in Forchheim in der Telefonvermittlung für das südliche Oberfranken und hatte dadurch viele interne politische Kenntnisse. Für die US-Truppen war ihr Wohnhaus wegen der günstigen Lage zur intakt gebliebenen Aischbrücke, über die Gegenangriffe möglich gewesen wären, sehr wichtig und wurde deshalb besetzt.

Eine wichtige Stellung

Da sie kein Parteimitglied war und in der Realschule Englisch gelernt hatte, wurde sie von den US-Truppen als Dolmetscherin eingesetzt und aus Sicherheitsgründen jeweils mit einem Jeep zum Einsatz abgeholt. Gebele hatte bei den US-Truppen eine bevorzugte Stellung, in deren Rahmen sie auch auf die Ausstellung der damals extrem wichtigen "Persilscheine" (Persilschein = politisch unbelastet, kein Arbeitsplatzverlust) Einfluss hatte. Die Unterlagen hierzu liegen im Bamberger Staatsarchiv.

Als Irmgard Gebele im Herbst 1948 weinend zur Arbeit kam, wurde sie von dem US-Offizier gefragt, was geschehen sei. Sie eröffnete ihm, dass sie bald heiraten wolle und kein Fleisch für die Hochzeitsfeier organisieren könne.

Mit Sondererlaubnis des US-Offiziers durfte dann ihr Onkel Michael Diem (Mühlenbesitzer und Jäger in Sterpersdorf) seine Jagdwaffe verwenden und auf die Jagd gehen. Die Hochzeit und das fleischhaltige Essen waren gesichert.