Stephan Herbert Fuchs

Wegen eines handfesten Streits mit dem Ex-Mann seiner Frau musste sich ein 27-jähriger Mann aus Hof vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Von der ursprünglichen Anklage wegen Beleidigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung blieb am Ende jedoch nicht mehr viel übrig.

Weil auch das vermeintliche Opfer bei der Auseinandersetzung nicht gerade zimperlich war, stellte Richterin Sieglinde Tettmann das Verfahren im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft kurzerhand ohne Auflagen ein. Beide Kontrahenten hätten etwas falsch gemacht, eine Bestrafung des Angeklagten sei deshalb nicht notwendig, argumentierte sie.

Der Angeklagte war an einem Nachmittag im April dieses Jahres vor der Wohnung des Ex-Mannes seiner Frau im Kulmbacher Oberhacken aufgetaucht und hatte einen Streit vom Zaun gebrochen. Angeblich habe der Ex-Mann die Frau zuvor in Gegenwart der Kinder heftig beschimpft. "Ich wollte nicht, dass die Kinder das mitkriegen", sagte der Angeklagte, deshalb habe er den Ex zur Rede gestellt.

Doch der ließ nicht mit sich reden. Zunächst gab es wohl Beleidigungen, dann flogen die Fäuste. Am Ende trug der Ex-Mann Prellungen am Daumen und am Handgelenk davon. Ein Faustschlag ins Gesicht blieb ohne Folgen. Allerdings wurde sein Pullover zerrissen.

Wie sich allerdings schnell herausstellte, war die Gewalt nicht einseitig. Auch der Angeklagte hatte ein Attest vorzuweisen, in dem Prellungen an Nase und Jochbein sowie ein Bluterguss an seiner Schläfe festgehalten wurden.

Er wollte nur reden

"Er hat mich zuerst geschlagen", sagte der Angeklagte. Er habe sich nur verteidigt. Das sind genau die Einlassungen, die in derartigen Fällen praktisch immer vorgebracht werden. Wirklich nachvollziehen kann man das Geschehen nur selten. Auch im vorliegenden Fall nicht.

"Ich wollte doch nur reden, schließlich ging es um das Wohl der Kinder", sagte der Beschuldigte, der auch einen Baseballschläger beim Ex-Mann erblickt haben will. Zum Einsatz sei der aber nicht gekommen.

Großen Wert legte der Angeklagte auch auf die Tatsache, dass er seit über sechs Jahren in Deutschland lebt und in dieser Zeit noch nicht einmal einen Strafzettel bekommen habe. "Trotzdem war es ungeschickt, den Ex-Mann so zu überraschen", meinte Richterin Tettmann. "Wie hätten sie denn reagiert, denn plötzlich der Freund der Ex-Frau vor der Tür steht?"

Der Angeklagte habe angekündigt, ihm eine Lektion zu erteilen, sagte das vermeintliche Opfer.

An die Beleidigungen konnte sich der Mann aber plötzlich nicht mehr erinnern. Auch den Baseballschläger soll es nie gegeben haben. Lediglich an den Faustschlag in sein Gesicht konnte sich der Mann erinnern. Deswegen sei er auch gleich zur Polizei.

Kein Schuldspruch

Mit einem Schuldspruch müsse man dieses Verfahren nicht beenden, bestand schnell Einigkeit bei den Prozessbeteiligten - und so wurde das Verfahren kurzerhand eingestellt, ohne Auflagen, selbst die Verfahrenskosten fallen zu Lasten der Staatskasse.