Herzogenaurach — Zum musikalisch-literarischen Abend "Erblüht ist die Rose" konnte der Nürnberger Künstlerpfarrer Hans-Peter Weigel zahlreiche Interessierte in der Marienkapelle von Herzogenaurach begrüßen.
Hans-Peter Weigel stellte Mystiker aus dem christlichen und jüdischen Kulturbereich sowie den persischen Dichter Hafez (ca. 1320-1389) vor. Mystik bedeutet, sich zu versenken und in die Seele zu schauen, ähnlich der Kontemplation. "Mystiker haben für die Vertreter der organisierten Religion oft nur Spott übrig!", so Weigel.
Weigel erläuterte die Mystik an einem Text aus dem Alten Testament, dem Hohen Lied der Liebe, das viele König Salomon zuweisen. Das Buch war aufgrund seiner erotischen Passagen nicht selten umstritten. So verbot etwa der jüdische Talmud das Singen von einzelnen Passagen im Wirtshaus. In der christlichen Tradition wird der Bräutigam aus dem Hohen Lied der Liebe als Christus und die Braut als Kirche oder Seele interpretiert.
Der Mystiker Meister Eckart (1260-1327), obwohl er Provinzial der Dominikaner war, starb unter der Anklage der Ketzerei. In späteren Jahrhunderten wurde sein Wirken aber geschätzt.
"Die Mystik ist ein Beispiel dafür, dass man die Ketzer von gestern heute gerne heilig spricht!", so Weigel.
Ein weiterer Mystiker, der in seiner Zeit nicht unumstritten war, war Johannes vom Kreuz (1542-1591). Dieser wurde aufgrund seiner Aktivitäten eingekerkert, konnte aber fliehen und wirkte in verschiedenen Klöstern der Unbeschuhten Karmelitinnen als Beichtvater und Seelsorger. Weigel umriss die Lebenssituation von Mystikern mit den Worten: "Der wahre Pilger muss seinen eigenen Lebensweg gehen!"
Im islamischen Kulturbereich war Hafez (um 1320-1388) ein berühmter Mystiker. Eigentlich hieß er Schamsod-Din Mohammed und soll bereits in seiner Kindheit den Koran auswendig gekannt haben.
Johann Wolfgang von Goethe hat für sein Werk "West-östlicher Divan" die Werke von Hafis gekannt und sein Buch, wie Weigel stolz vermerkte, in Nürnberg drucken lassen. "Für Goethe war die Begegnung mit Hafis Werken Liebe auf den ersten Blick!", so Weigel.
Die Moderation hatte Hans-Peter Weigel übernommen. Weitere Mitwirkende waren Somayeh Farazaneh, Kunststudentin aus dem Iran, Michaela Domes, Schauspielerin am Staatstheater Nürnberg, und Ralph Krause, Cellist an der Staatsphilharmonie Nürnberg.
Manfred Welker