von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Ebneth — Wer einen Märchenwald für einen Familienausflug sucht, ist im Ebnether Kellerwald goldrichtig. Die dortigen Sandsteinfelsen wurden von Mutter Natur sehr abwechslungsreich gestaltet. Mit ein wenig Phantasie lassen sich in die Felsnasen und von der Erosion geschaffenen Schraffierungen Gesichter hineindeuten. Fabelwesen, Faune, Geister und schlafende Riesen sind hier zu entdecken. Je nach Stand der Sonne verändern diese Fratzen sogar ihren Gesichtsausdruck.
Es kommt also darauf an, ein wenig Zeit mitzubringen, wenn man das Felsenlabyrinth im Ebnether Kellerwald besucht. Kinder dürfen gern ihre Malblocks einpacken oder auch eine Digitalkamera, um die gefundenen Feen und Nymphen, den Rübezahl oder die sieben Zwerge im Bild festzuhalten.
Interessant ist auch, dass jeder in einem Felsen individuell einen anderen Geist wahrnimmt - wie schon der Philosoph Schopenhauer schrieb: "Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt."

Parkplatz als Ausgangsort

Die Keller befinden sich am oberen Ende eines bewaldeten Hangs, des so genannten Klingensteigs, etwa 250 Meter westlich der Ebnether Ortsstraße. Hier gibt es einen Parkplatz, von dem aus die Entdeckungsreise beginnen kann. Geologisch ist das Felsenlabyrinth genauso entstanden wie auch etliche andere Felsengärten in Franken - durch die jahrtausendelange Einwirkung der Erosion. Unmittelbar vor Beginn des großen Hochplateaus, auf dem sich die Orte Ebneth und Hainweiher befinden, ist die Rhätolias-Sandsteinstufe gut aufgeschlossen, also weitgehend frei von pflanzlichem Bewuchs. In diese Steinschicht im Burkersdorfer Rhätolias-Hügelland sind die Felsenkeller eingelassen.
Wer vom Parkplatz aus in den Wald hinein läuft, entdeckt nach vielleicht 50 Metern die ersten imposanten Felsformationen. Die Keller befinden sich auf einem etwa 250 Meter langen und 50 Meter breiten Areal mit etwa fünf Meter über dem Bodenniveau herausragenden Felsen. Die Sandsteinfelsen zerfallen bei den Kellern, entlang weitgeöffneter Klüfte, in über 1000 große Felsblöcke.
Zwischen den Felsenkellern gibt es mit der Jakobs- und der Franzenshöhle auch zwei natürliche Höhlen. In einem großen Felsblock im östlichen Teil der Keller ist an der Seite eine Treppe und auf der flachen Spitze eine sogenannte Opfermulde eingemeißelt. Der Felsblock wird in esoterischen Kreisen als "Heilstein für Frauenleiden" gedeutet. Wer mit der Esoterik nicht so viel am Hut hat, kann diesen Fels auch als Location für Foto-Porträts nutzen.
Die Keller wurden vermutlich um 1790 in den Fels getrieben und dienten bis Mitte des 20. Jahrhunderts zum Lagern von Bier und Lebensmitteln. Heutzutage werden sie teilweise noch als Lager- und Stauraum genutzt. In vergangenen Jahrhunderten diente das Areal auch als Freizeitort und Sommerkeller mit einer Freikegelbahn und einem Schießstand für die örtliche Bevölkerung. Regional sehr bekannt sind die Felsenkeller zudem durch das Kellerfest.
Wer sich das märchenhafte Areal im Ebnether Wald erschließen möchte, sollte das allerdings nicht wie Hänsel und Gretel mit Brotkrumen tun, sondern mit einer detaillierten topographischen Karte im Maßstab 1:25 000 (Nummer 5833 Burgkunstadt).
Hilfreiche Tipps beim Erschließen von Wanderwegen aller Art finden sich auf den Seiten vermessung.bayern.de und geoportal.bayern.de im Internet.