Der Kammerchor des Studentenchores der Friedrich-Schiller-Universität aus Jena brillierte mit einem überaus gelungenen Konzert in der katholischen Kirche St. Vitus. Im Rahmen seiner Sommerreise machte er in Ramsthal Station. Die 20 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Dirigent Fabian Pasewald brachten ganz besondere kirchliche Stücke zu Gehör und sorgten dabei für viel Abwechslung.
Bei den Psalmen und Motetten, die sie zu Anfang sangen, bewegten sich die Lieder thematisch im Bereich des Glaubens, der Hoffnung und des Verständnisses füreinander. Das "Cantate Domino" von Vytautas Miskinis, vorgetragen in der Kirchensprache Latein, setzte der Chor dabei sehr fröhlich um und begeisterte die Zuhörer vor allem durch das große stimmliche Spektrum und den punktgenauen Einsatz. Interessante Variationen machten das Stück reizvoll, wobei die klassischen Pfade auch einmal verlassen wurden. Die Neuinterpretation der altehrwürdigen Gesänge waren dabei sehr reizvoll.


Meditativ und ernst

Doch auch sehr meditative, getragene Stücke hatten die Künstler mitgebracht, so unter anderem das "Beati quorum via", das fast etwas verträumt daherkam. Hierbei verstanden es die Sängerinnen und Sänger, den Kirchenraum als Klangkörper miteinzubeziehen, was das Stück umso imposanter erscheinen ließ. Dass das Publikum von der Darbietung begeistert war, zeigte sich am großen Applaus. Weitere, eher ernstere Weisen schlossen sich an. Die Sängerinnen und Sänger bewiesen dabei großes Können, so auch beim "Verleih uns Frieden" von Heinrich Schütz, ein recht schwieriges, mehrstimmiges Lied, welches sich durch Elemente wie einem sprechähnlichen Gesang sehr schön von den vorher gehörten Stücken absetzte. Überhaupt hatte Pasewald bei der Liedauswahl auf ein möglichst abwechslungsreiches Repertoire gesetzt, was das Können des Chors umso eindrucksvoller demonstrierte.
Nicht nur Chormusik auf hohem Niveau wurde beim Konzert gegeben. Der extra mitangereiste Melchior Condoi spielte zwei Stücke auf der Orgel. War der erste Satz des Concerto a-Moll nach Vivaldi von Johann Sebastian Bach noch der klassischen Orgelliteratur zuzuordnen, so waren die Praelude et Fugue von Marcel Dupré auch ein klangliches Experiment. Filigrane, äußerst schnell gespielte Passagen und rasche Tempiwechsel wurden von Condoi mit großer Leichtigkeit gemeistert. Es war imposant, was er alles aus der altehrwürdigen Orgel herauskitzelte. Fabian Pasewald, der Condoi beim Wechsel der Register assistierte, hatte allerhand zu tun. Tosender Beifall zeigte, dass es den Zuschauern sehr gut gefallen hatte.
Nach diesem Ausflug in den Bereich der Orgelmusik sang der Chor ein altes englisches Madrigal, einmal in der Originalversion und einmal in der Interpretation von John Hoybye. Gesprochene Passagen und wispernde Einlagen der Sänger ließen das klassische Original in einem ganz anderen Licht erscheinen, was interessant und abwechslungsreich war. Ernsteren Themen wie dem "Abschied" widmete sich der Chor im letzten Drittel des Konzerts. Dass Abschied je nach kultureller Herkunft unterschiedlich sein kann, zeigten sie anhand des "Adios nonino" von Piazzolla und dem klassischen Volkslied "Muss i denn". Ein besonderes Experiment hatte sich der Chor bis zum Schluss aufgehoben. Nämlich dem "A Little Jazz Mass" von Bob Chilcott, wobei Melchior Condoi den Chor auf dem Klavier begleitete. Das "Kyrie Eleison" kam sehr jazzig daher. Doch auch gefühlvolle Passagen wurden mit diesem besonderen Musikstil interpretiert. Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum die Leistung des Kammerchors, der wirklich ein besonderes Konzert geboten hatte.