Alexander Hartmann

Sie lehnen Terrorakte strikt ab, die religiös Radikalisierte begehen, sehen sich als Muslime, die für Frieden, Freiheit und Loyalität eintreten. Das sagen Glaubensbrüder der Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat, die in den kommenden Wochen auch in Kulmbach über einen aufgeklärten und toleranten Islam informieren wollen.
Mit Flugblättern und an Infoständen will die Gemeinde darauf aufmerksam machen, dass ein Muslim, dem die Lehren seines Glaubens bewusst sind, an die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte glaubt und für die Meinungs- und Religionsfreiheit eintritt, wie die Imame Iftekhar Ahmed und Ahmad Kamal gestern beim Pressegespräch im Hotel Ertl betonten. Die Gemeinde wolle die ursprünglich friedlichen und fortschrittlichen Lehren des Islam von Verkrustungen und Irrungen der heutigen Zeit befreien.


40 000 Mitglieder

Ahmadiyya Muslim Jamaat zählt bundesweit 40 000 Mitglieder, in Oberfranken 45. Die Gemeinde besitzt 40 Moscheen und viele weitere Gebetszentren. Es gibt bundesweit 250 Gemeinden.


Das sagt der Islamwissenschaftler

Wie ist Ahmadiyya Muslim Jamaat einzuschätzen? Laut Mathias Rohe, Islamwissenschaftler an der Uni Erlangen, ist es im muslimischen Spektrum die einzige Organisation in Deutschland, die Körperschaftsstatus genießt. Es sei eine aus rechtlicher Sicht unbedenkliche Reformbewegung innerhalb des Islam. "Die Vertreter sind friedfertig und tolerant gegenüber Andersdenkenden, auch deshalb, weil sie in Pakistan selbst verfolgt werden." Viele in Deutschland lebende Glaubensbrüder hätten einen pakistanischen Migrationshintergrund.
Was das Familienleben und das Geschlechterverhältnis betrifft, so sind die Mitglieder Rohe zufolge traditionell konservativ. Man fordere zwar die Gleichberechtigung, doch seien Frauen und Männer etwa bei Veranstaltungen in Moscheen getrennt. "Das ist aber eine innerreligiöse Regelung. Auch in der katholischen Kirche könnte man darüber diskutieren, warum es nur Priester gibt", erklärt der Islamwissenschaftler, der den Kalifen von Ahmadiyya Muslim Jamaat in London selbst getroffen hat. Dieser habe keinerlei weltlichen Machtanspruch. "Das, was er mit gesagt hat, ist glaubhaft."


Keine Rechtfertigung für Gewalt

Mit der Info-Offensive möchte Ahmadiyya Muslim Jamaat all denen entgegenwirken, die den Islam ins schlechte Licht rücken, betonte Iftekhar Ahmed in Kulmbach. So halte man auch Vorträge zum Thema "Ist der Islam eine Bedrohung oder eine Quelle des Friedens?" Seine Gemeinde lehne den Dschihad strikt ab, für den es keine Rechtfertigung gebe. Dass Extremisten Ungläubige seien, die sich von der westlichen Welt bedroht fühlten und in ihrer Perspektivlosigkeit von spirituellen Führern radikalisiert würden, machte Ahmad Kamal deutlich.
Seine Glaubensgemeinschaft versuche all denen, die den Islam als Bedrohung sehen, die Angst zu nehmen. Auch in Kulmbach.