Weisendorf — Zahlreiche interessierte Zuhörer waren am Samstag Abend in das Edith-Stein-Haus in Weisendorf gekommen, als zum 24. Mal die Teilnehmer eines Streichquartett-Kurses unter Walter Engelmann ihr erarbeitetes Repertoire zum Besten gaben. Für Engelmann war es ein Abschied, denn dieser Kurs Nummer 101 war der letzte, den er federführend betreute.
Auf dem Programm standen Werke von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart bis hin zu Richard Strauss. Engelmann würdigte die optimale Unterbringung und Versorgung der Mitglieder des Streichquartett-Kurses im Edith-Stein-Haus in Weisendorf, wo diese ihre Probezeit verbracht hatten. Sein Dank ging an die Damen des Edith-Stein-Hauses, die zum wiederholten Mal für die Versorgung der Musiker verantwortlich waren. "Das Haus ist optimal, nicht zu groß und hat eine ausreichende Anzahl von Proberäumen!"
Besonders freute es Engelmann, dass sich auch in diesem Jahr neben Musikern aus Deutschland wieder Künstler aus der Schweiz, aus Österreich und Portugal zu diesem Kurs zusammengefunden hatten. "Weisendorf ist durch uns international bekannt geworden!", so Engelmann. Er würdigte auch langjährige Kursteilnehmer, so Dieter Buhl, der an 58 Kursen teilnahm.

Gut besuchtes Abschlusskonzert

Das Konzert hatte auch dieses Mal wieder eine sehr gute Akzeptanz durch Zuhörer. "Wir freuen uns, dass der Raum so voll ist, dass sogar der Dirigent stehen muss!", merkte er schmunzelnd an. Zur Unterstützung hatten sich die Kursteilnehmer Anja Schaller und Hartmut Ometzberger an den Violinen und Alexander Friedrich (Erlangen) am Cembalo geholt. Auch Friedrich begleitete bereits zum 20. Mal ein Konzert unter dem Dirigat von Engelmann.
Den Auftakt des Konzerts machte von Johann Bernhard Bach (1676-1749) die Ouvertüre aus der Orchestersuite Nr. 3 e-moll für Streichorchester. Dieses Stück habe er vor allem ausgewählt, um mit einer schönen Ouvertüre das Programm des Abends einleiten zu können, so Engelmann.
Johann Bernhard Bach (1676-1749) war ein Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach, mit dem er sogar in Weimar gemeinsam studierte. Im Jahr 1695 trat er seinen Dienst als Organist in Erfurt an und wechselte später nach Magdeburg. 1703 wurde er Nachfolger seines Onkels Johann Christoph Bach als Organist in Eisenach. Zeitweise arbeitete er mit Georg Philipp Telemann zusammen. Der größte Teil seines Oeuvres ging allerdings verloren.
Beim Cembalo-Konzert A-Dur von Johann Sebastian Bach (1685-1750), BWV 1055, mit den Sätzen Allegro, Larghetto Allegro ma non tanto konnte Alexander Friedrich am Cembalo sein virtuoses Können unter Beweis stellen. Bach schrieb den größten Teil seiner Instrumentalmusik zwischen 1717 und 1723 in Köthen, wo er in der Residenz des jungen Fürsten Leopold von Köthen-Anhalt als Hofkapellmeister tätig war. Es waren nach eigener Aussage seine glücklichsten Jahre.
Von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) erklang das Streichquintett g-moll Allegro- Adagio/Allegro. Ausführende waren Anja Schaller, (Fürth) und Hartmut Ometzberger (Wien) an den Violinen, Rudolf Schnabel (München) und Heinz Mederer (Saarbrücken), an der Viola sowie Frederike Bertschi (Zürich) am Violoncello.
Den Abschluss des Abends stellte von Richard Strauß (1864-1949) das Streichsextett (Vorspiel), aus der Oper "Capriccio" op. 85 dar. Die Orchesterfassung für das Konzert in Weisendorf hatte Walter Engelmann erarbeitet.
Richard Strauss (1864-1949) wurde vor allem durch seine Opern, seine Tondichtungen (etwa "Eulenspiegels lustige Streiche" oder "Also sprach Zarathustra") und seine Lieder bekannt. Gefördert wurde er anfangs von Hans von Bülow, dem Leiter der Hofkapelle in Meiningen. Nach der Tätigkeit als Dirigent in München und Weimar wirkte er als Opernkomponist unter anderem in Berlin, um sich später ausschließlich dem Komponieren und Dirigieren widmen zu können.
Mit ihren freiwilligen Spenden nach dem Konzert unterstützen die Besucher eine Wallfahrt junger Studenten aus aller Welt nach Venasque zum Hauptsitz des Instituts Notre Dame de Vie, wo die Ausbildung für geistliche Berufe ermöglicht wird.
Manfred Welker